Geschrieben von: Dr. W. Hopfner

Das Ende der Eiszeit – der Neandertaler stirbt aus

Vereinzelt finden wir im überlieferten germanischen Schrifttum merkwürdige Hinweise. Da wird von einem gewaltigen Kampf verschiedener Göttergeschlechter in grauer Vorzeit gesprochen, von Geiselaustausch und auch von einem Friedensschluss. Was soll man darunter verstehen?

Gehen wir mal in Gedanken rund 40 000 Jahre zurück. Wie sah es damals in unserem Lebensraum Mitteleuropa aus?

Die Eiszeit neigte sich ihrem Ende zu, der Neandertaler, bekanntester aller Urmenschentypen, war gerade ausgestorben. 1856 hatte man das erste Skelett dieser Menschenart in einem Steinbruch bei Düsseldorf ausgegraben und die Wissenschaft zögerte damals sehr, hinzunehmen, dass es sich bei diesem Fund um die Überreste eines eiszeitlichen Menschen handelte. Die einen glaubten an einen „Wilden aus der Mongolei“, andere an einen „Kosaken aus der Tschernitscheff-Armee von 1814“ oder an einen „alten Kelten“, manche meinten ungerührt, es handele sich um einen „Idioten mit einem Wasserkopf“. Der Arzt und Forscher Rudolf Virchow diagnostizierte „frühkindliche Rachitis und Altersgicht“, und der Göttinger Professor Rudolf Wagner erklärte – was das Königreich der Niederlande ein wenig befremdete – „es war bestimmt ein Holländer“.

Dem Neandertaler war Westeuropa zu einer Zeit besonders schlechten, ja eisigen Klimas, zur Heimat geworden. Geräte und Waffen hatte er sich gefertigt und warme Fellkleidung und von der Jagd hatte er gelebt. Seine herausragenden Toten hatte er in gewisser Weise „feierlich“ bestattet, offenbar gab es bei ihm bereits eine einfache Art von „Jenseitsglauben“. Da der Neandertaler auch in anderen Teilen der alten Welt vorkam, glauben heute manche Anthropologen, dass er garnicht in Europa entstanden, sondern aus Asien eingewandert ist. Hier in Europa könnte er die Entwicklung anderer Menschenarten aus z.B. den Nachkommen des „Steinheim-Menschen“ oder des „Homo heidelbergensis“ sogar behindert haben.

Die fortgeschrittenen Jäger

Als aber der höchst leistungsfähige, besser bewaffnete und intelligentere Mensch der Jetztzeit, der „homo sapiens“, auftauchte, starb der Neandertaler innerhalb kürzester Zeit aus. Eine Parallele zur Gegenwart tut sich auf:

Die Tasmanier, primitivste Menschenart unserer Tage, starben binnen 75 Jahren aus, nachdem sich Europäer auf ihren Inseln niedergelassen hatten.

So war es auch damals, der Homo sapiens setzte sich gegen andere Konkurrenten durch, ein rascher kultureller Aufschwung begann. Die Formgebung der Jagd-und Fischereiwaffen wurde nun zweckmässiger, die Lederbekleidung erfunden, ansehnliche Behausungen wurden gebaut und recht gut ausgestattet. Man lebte noch hauptsächlich von der Jagd, das Klima, die Landschaft und der Tierreichtum boten diese Ernährungsweise an. Malen, Zeichnen, Modellieren wurden entwickelt und ansprechende Kunstwerke geschaffen. Auch auf dem Weg zu einer religiösen Symbolik tastete man sich voran.

Wir heutigen Menschen vermögen in diesen, damals im Herzen Europas entstandenen und hier lebenden Menschen, unsere fernsten Brüder und Schwestern zu erahnen, verspürten jene doch den gleichen Schöpferdrang und die gleiche Vorstellungskraft wie wir selbst.

Diese begabten und dynamisch sich entwickelnden Vorfahren sprachen bereits voll ausgeformte Sprachen, hatten kultische Tänze und Musikinstrumente und erzählten sich Geschichten. Sie waren gross gebaut, mit voller, weichgerundeter Stirn und einem Langschädel, dessen Hirnvolumen erheblich über dem der heutigen Menschen lag. Die Gesichtszüge waren streng, die Nase schmal, das Kinn ausgeprägt. Man nennt sie „Cro Magnon – Menschen“ nach einer Höhle in Frankreich, in der man ihre Überreste in grosser Zahl fand.

Woher kamen sie?

Wir wissen es nicht genau, es gibt aber Hinweise darauf, dass sie in Mitteleuropa entstanden sind, einige Zeit in kleinen Gruppen neben den Neandertalern lebten und sich gegen Ende der Eiszeit stärker vermehrten. In der französischen Dordogne sollen sich ihre Abkömmlinge verhältnismässig rein erhalten haben und in Deutschland werden Westfalen und Hessen von den Anthropologen als „cromagnonverdächtig“ angesehen.

Die Entwicklung blieb mit ihnen nicht stehen. Ihre Verwandten, die man „Aurignac-Menschen“ nennt und deren Nachkommen wiederum, die „Gravettien-Menschen“, drangen von Mitteleuropa aus nicht nur nach Brittanien, sondern auch über Süd-Osteuropa bis in den Ural vor. Dies geschah um etwa 20 000 vor der Zeitwende.

Der grosse Unterschied dieser neuen Menschen (Cro Magnon, Aurignac, Gravettien) zu den vor hunderttausenden von Jahren gelebt habenden, wie die „Steinheim-Menschen“ oder der „Homo heidelbergensis“, war der:

Viele Jahrtausende tat in der Frühzeit jeder nur das, was seine Eltern auch schon immer getan hatten. Kultureller Fortschritt erfolgte in der Altsteinzeit daher nur sehr langsam. Die Cro Magnon-Menschen und deren Nachkommen jedoch begannen in den „Kategorien von Problemlösungen“ zu denken. Das war neu. Man spricht daher auch von der „Neolithischen oder Jungsteinzeitlichen Revolution“. Aufgrund dieses neu entwickelten Gefühls für Herausforderungen, erfanden diese Menschen in kurzer Zeit die ersten „Maschinen“ wie Speerschleuder, Nadel mit Nadelöhr, Harpune mit Widerhaken, komplizierte Befestigungen für Pfeil-und Speerspitzen, Pfeil und Bogen, aber auch die durch Fett genährte Lampe.

Auch eine Art von Stammeszugehörigkeitsgefühl entstand in dieser Zeit. Und das kam ungefähr so:

Man wohnte zunächst in Höhlen, später in Holzhütten. Vor diesen spielte sich das Leben ab, hier brannte ständig das Herdfeuer als Abwehrmittel gegen Bären und Wölfe und andere Raubtiere. Grobe Geröllmauern und aufgespannte Häute boten weiteren Schutz. Und nun stelle man sich einmal den Anblick vor, der sich bot, wenn in dunkler Nacht weithin die Feuer glommen. Im Licht dieser Feuer wurde überall gegessen, geschwatzt, Kleidung ausgebessert, gebastelt und Geschichten erzählt. Diese Gleichartigkeit des Lebensablaufs schaffte nach und nach ein Gemeinsamkeitsgefühl.

Die kulturellen Leistungen dieser Menschen sind beachtlich. Aus Elfenbein schnitzten z.B. die Aurigniac-Menschen um etwa 20 000 v.Ztw. Tierfiguren, die Pferd, Vogel oder Mammut darstellen. Die Gravettien-Menschen fertigten aus Ton Frauenfiguren mit besonders rundlichen Formen. Bekanntgeworden sind die „Venus von Willendorf“, die „Venus von Lespugue“ und die „Venus von Laussel“. Diese Figuren sind künstlerischer Ausdruck der tief in diesen Menschen wurzelnden Vorstellungen von Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit. Die Frauendarstellungen lassen vermuten, dass zu jener Zeit ein länger andauernder Fruchtbarkeitskult begann und mutterrechtliche Organisationsformen vorherrschten.

Die in Südeuropa lebenden Magdalenien-Menschen, Nachfolger der Gravettien-Menschen, schufen um etwa 15 000 v.Ztw. die erstaunlichen Höhlenmalereien in Spanien und Frankreich. Diese dienten höchstwahrscheinlich auch kultischen Zwecken. Vermutlich versetzten sich die Jäger beim Betrachten der Hirsch-, Bison- oder Mammutdarstellungen in die zur Jagd erforderliche Anspannung, ohne die jagdlicher Erfolg schwer möglich war.

Auch schon etwas weiter entwickelte Bestattungsbräuche wurden damals ausgeübt, was auf bestimmte religiöse Vorstellungen hinweist. Von ihren Toten wollten sie sich offenbar nicht trennen. Deshalb begruben sie diese immerhin in ihrer Wohnhöhle. Die Verstorbenen wurden in eine hockende Stellung gebracht und oftmals mit rotem Ocker, dem Symbol für das lebenspendende Blut bestreut. Leider wissen wir nicht viel mehr über die religiösen Vorstellungen der „fortgeschrittenen Jäger“.

Offenbar war die Zeit von etwa 20 000 v.Ztw. bis etwa 10 000 v.Ztw. eine Zeit mässigen Wohlstands. Als dieser endete, verebbte auch der Kreativitätsschub der „fortgeschrittenen Jäger“ .

Nach Norden, dem Eise nach

Um etwa 15 000 v.Ztw. änderte sich erneut das Klima, die letzten Reste des Eises schmolzen, die Tundrenlandschaft Europas wandelte sich um in eine Seen- und Waldlandschaft. Der Meeresspiegel stieg, Britannien wurde vom Festland getrennt. Eine neue Zeit kündigte sich an und zwang die Menschen zu einer ganz anderen Lebensweise. Das milder werdende Klima ermöglichte es ihnen nun, wiederum ein Stück weiter nach Norden zu ziehen und Norddeutschland und Dänemark zu besiedeln. Aber auch nach Osteuropa und in den Südosten wanderten sie.

Die Jäger mussten sich jetzt umstellen. Das Grosswild war selten geworden oder schon ausgestorben. Es musste auf viele kleine Tiere Jagd gemacht werden. Hinzu kamen Fischfang, Vogelstellen und Sammeln von Beeren und Früchten. Wildwachsender Weizen wurde jetzt geerntet. Zu seiner Verwertung wurden Handmühlen, Stössel und Mörser erfunden.

Um etwa 6000 v.Ztw. waren alle wichtigen Haustiere bereits domestiziert. Aus den Wildgetreidearten waren verschiedene Gebrauchsgetreidesorten gezüchtet worden. Da die Bevölkerung wuchs, blieb nichts anderes übrig, als mit den Nahrungsmitteln zu wirtschaften, erste sesshafte Lebensweisen entwickelten sich, Dörfer entstanden, vorzugsweise an Seeufern. Auch gewisse gesellschaftliche Formen bildeten sich, Unterschiede zwischen Führern und Gefolgschaft wurden erkannt.

Als religiöse Äusserungen sind uns Fruchtbarkeitskulte mit Tierverehrung und weiterhin Frauendarstellungen überliefert. Im kulturellen Bereich entstanden in Skandinavien die ersten Tierzeichnungen, kleine Stein- und Bernsteinskulpturen, sowie die frühesten geometrischen Einritzungen in Felswände. Die Kunst der Zeit um 8000 bis 5000 v. Ztw. weist bereits jetzt schon rassisch bedingte, uneinheitliche Strukturen auf: Während in Spanien die Künstler Jagd-, Tanz- und Kriegsszenen malten, bei denen grosse Mengen von Gestalten in höchster Eile das Bildwerk durchlaufen, malten die skandinavischen Jäger Werke, die die Ruhe der alten Steinzeit auch heute noch geradezu unerschütterlich ausstrahlen. Die norwegischen Jäger von Klotefoss stellten darüber hinaus auf ihren Zeichnungen sogar die inneren Organe der Tiere dar. Die dänischen Jäger wiederum schufen lieber kleine rundplastische Schnitzereien.

Fassen wir kurz zusammen, was sich bis etwa zum Jahr 5000 vor der Zeitenwende getan hatte:

Die „Neolithische Revolution“ hatte in Europa stattgefunden, keineswegs geradlinig und überall gleichzeitig. Die nomadisierenden Jäger, Fischer und Sammler der Alt- und Mittelsteinzeit waren sesshafte Viehzüchter und Ackerbauern geworden, die planlose Aneignung der von der Natur gebotenen Nahrungsmittel wurde durch eine vorausschauende und geregelte Produktions- und Vorratswirtschaft abgelöst.

Damals trat der Mensch in eine entscheidende Auseinandersetzung mit den Mächten seiner Umwelt ein, die er nun auch als „Kräfte“ zu erkennen begann. Zuvor war er ein Teil der Natur gewesen, ihr ausgeliefert aber auch in ihr geborgen. Nun löste er sich aus dieser Einheit und erkannte sich selbst auch als geistiges Wesen. Er erkannte seine Möglichkeiten und Fähigkeiten, aber auch seine Einsamkeit und Gefährdung. Die meisten der grossen, auch heute noch gültigen geistigen Leitbilder, die ersten voll ausgeprägten Religionen entstanden nun. Inmitten der ungebändigten Kräfte der Natur bildeten sich geistige Zentren in Form von stabilen Gemeinschaften z.B als Volk, als Grossfamilie auf dem Hof, im umgrenzten heiligen Raum der Kultstätte, am Grab der Vorfahren.

Die ersten Megalithiker

Um etwa 5000 v.Ztw. hatten sich die Nachkommen der Cro Magnon – Menschen ganz Europa zu eigen gemacht. Vom Schwarzen Meer bis zur Atlantikküste breitete sich in den unterschiedlichsten Naturräumen die Landwirtschaft aus. Dementsprechend waren auch die verwendeten Gerätschaften: Sichelförmige Beile und Messer, Hacken zur Bodenbearbeitung, Vorratsgefässe aus Ton, in die gelegentlich Weizen- und Gerstenkörner vor dem Brennen im offenen Feuer eingedrückt worden waren. Auch muschelförmige und bandförmige Linien wurden in den weichen Ton eingepresst. Man spricht bei dieser Art der Tongefässverzierung von der „Bandkeramik“. Ihr Hauptverbreitungsgebiet war um 5000 v.Ztw. Belgien, das Rheinland, Mitteldeutschland, Böhmen und der Donauraum, weshalb man auch von der „Donaukultur“ spricht. Die Menschen, die diese Tongefässe schufen, die Bandkeramiker, hatten schon bemerkenswerte religiöse Vorstellung. So finden wir auf manchen ihrer Gefässe stilisierte „Lebensbaum-Abbildungen“ als Hinweis auf ihre Glaubensvorstellungen. Ihre Toten bestatteten sie nicht wie frühere Generationen in ihren Wohnhäusern. Sie legten flache Erdgräber an.

In der nördlichen Nachbarschaft der Bandkeramiker entwickelten sich rund 1000 Jahre später, um etwa 4000 v.Ztw. also, Menschen, die andere kulturelle Ausdrucksweisen pflegten. Sie verzierten ihre Tongefässe nicht bandartig. Ganz andere Formen verwendeten sie. Man brannte bei ihnen trichterförmige Becher. Daher spricht man auch von der „Trichterbecher-Kultur“. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Art der Tonwarenherstellung vielleicht von Einwanderern, die aus dem Baltikum nach Schleswig-Holstein und Jütland kamen, mitgebracht worden waren. Sie bestatteten ihre Toten zwar auch in Erdgräbern, warfen aber über dem Bestattungsort oft grosse Erdhügel auf. Zusätzlich gaben sie den Verstorbenen tönerne Schalen und Trichterbecher mit, die Speise- und Trankopfer enthielten. Offenbar sollte es den Verstorbenen an nichts fehlen. Wir schliessen daraus, dass es bei ihnen zu dieser Zeit bereits einen gut ausformulierten Jenseitsglauben gab. Diese Bestattungsbräuche fand man von Jütland bis an den Oberlauf der Weichsel.

In einer späteren Phase dieser Trichterbecher-Kultur, etwa um 3500 v.Ztw., begann man auf Seeland neben einfachen Erdgräbern auch steinerne Kisten von etwa 2m Länge und einem halben Meter Breite und Höhe aus vier Steinblöcken mit einem Überlieger zu erbauen. Runde oder längliche Erdhügel, die mit grossen Randsteinen eingefasst waren, deckten diese gut gebauten Gräber. Vermutlich waren diese Grabmale zunächst für Stammesführer und hervorragende Mitglieder der Dorfgemeinschaft bestimmt. Als Grabbeigaben wurden oft sehr schöne, wickelschnur- und tiefstichverzierte Keramiken mit Trichterbechern, Kragen- und Kugelflaschen, Flintsteinbeilen und reichlich Bernsteinschmuck in Form langer Ketten beigegeben.

Diese Steingräber wurden zu erstaunlichen Bauwerken weiterentwickelt. Die „Sieben Steinhäuser“ bei Fallingbostel, die grossen Steingräber bei Wildeshausen, die neun Grosssteingräber im Hümmling bei Werlte hinterlassen wohl bei jedem Besucher einen ausserordentlichen Eindruck. Man nennt diese grossen, aus Findlingsblöcken aufgetürmten Gräber in der Fachliteratur „Megalith-Gräber, Riesensteingräber, Dolmen, Ganggräber oder Hünengräber“. Sie sind in jener „jüngeren Steinzeit“ das Kennzeichen der nordwesteuropäischen Bevölkerung, die das westliche Skandinavien, die dänischen Inseln, die Ostküste Jütlands, sowie Mecklenburg bis etwa Magdeburg bewohnte. Diese Hünengräber waren gewissermassen Mausoleen für ganze Sippen, denn wir finden in ihnen die Überreste vieler Individuen; bis zu 100 Bestattete hat man in einem einzigen Grab gezählt. Bei ihren Erbauern handelte es sich von der Rassenzugehörigkeit her um Menschen, die zum geringeren Teil dem nordischen, zum überwiegenden Teil aber dem fälischen Rassetypus angehörten, wie man aus den sterblichen Überresten der Begrabenen rekonstruieren konnte. Als „Germanen“ kann man die Erbauer keineswegs bezeichnen, denn ihnen fehlte u.a. noch die den Germanen eigentümliche gemeinsame Sprache, das Germanische. Sie sprachen wahrscheinlich die den steinzeitlichen Kulturen am Ende des Jahres 3000 v.Ztw. eigene, nichtindogermanische Sprache, und es ist höchstwahrscheinlich, dass es sich bei den Erbauern der Riesensteingräber nicht um Indogermanen handelte. Urverwandtschaft mag auch hier, wie wohl bei allen Mitgliedern der drei hellhäutigen Rassen, angenommen werden. Mit diesen Menschen beginnt unsere Geschichte.

Der weisse und der grüne Riese

Während die fälischen „Grosssteingräber-Leute“ vorwiegend an den nördlichen und westlichen Meeresküsten siedelten, waren im Landesinneren andere Menschen, die „Schnurkeramiker“ und deren Nachkommen, die „Streitaxtleute“, entstanden. Diese gehörten der nordischen Rasse an und hatten demzufolge andere kulturelle Ausdrucksformen. Sie entwickelten sich zu den Menschen, die wir „Indogermanen“ nennen.

Wie kam es dazu, dass die Indogermanen nordischer Rassezugehörigkeit waren? Wie entstanden diese Rassen überhaupt?

Blicken wir nochmal zurück:

Als das Eis um etwa 15 000 v.Ztw. zu schmelzen begann und die Tiere dem Eisrande nach gen Norden zogen, folgten ihnen die Jäger. Das waren zunächst Menschen, die allen damals vorhandenen Rassen angehörten und nun Mitteleuropa besiedelten. Im Kampf mit der Natur fand unter ihnen eine Auslese statt, die nur die am besten an die herrschenden Verhältnisse angepassten Individuen am Leben liess. Es waren insbesondere zwei Menschentypen, die hier am Rande des Eises ihre Lebensmöglichkeiten fanden:

Die sehr anspruchslosen Menschen und die sehr kämpferischen bzw. sehr erfinderischen. Daher finden wir im Norden die Samen oder Lappen – bis zum äussersten anspruchslose Menschen – und jene Menschen, die mit ihrem Geist sich die Möglichkeiten schufen, der Natur das abzuringen, was sie zum Leben brauchten. So entwickelten sich in Mittel- und Nordeuropa, sowie etwas weiter im Nordosten drei helläugige, hellhäutige Rassen, die wir als nordische, fälische und ostbaltische Rasse bezeichnen. Unterdessen entstanden im Süden die ostisch-alpine und die westisch-mittelmeerische Rasse als Ausdruck der Anpassung an andere geographische Verhältnisse.

Der beschriebene Auslesevorgang fand noch ein zweites Mal statt, als nämlich um etwa 6000 v.Ztw. das Klima wieder wärmer und feuchter wurde und grosse Wälder in Europa entstanden. War der „weisse Feind“ des Menschen, das Eis der Gletscher, die „Eisriesen“ der Mythologie, seit langem nach Norden zurückgewichen, so bedrohte nun der „grüne Feind“, der Urwald, die Menschen und beschnitt sie in ihren Lebensmöglichkeiten. Sie mussten dorthin ziehen, wohin der Wald ihnen nicht folgen konnte. So verengte sich der Lebensraum der mittel- und nordeuropäischen Menschen jener Zeit im wesentlichen auf die Küstenländer um Nord- und Ostsee herum, sowie auf das anschliessende Hinterland.

Nun war der nordische Mensch, der ständig mit der kargen Natur um sein Leben hatte kämpfen müssen, keineswegs geneigt, dem Kampf mit dem Urwald auszuweichen. Er entwickelte als Werkzeug und Waffe das Steinbeil, das er schleifen und durchbohren und vor allem gut handhaben lernte. Ausserdem ging er, wie erwähnt, von der extensiven Wirtschaftsform zur intensiv nutzenden über, d.h. der verbleibende Boden wurde nun besser bewirtschaftet, Ackerbau und Viehzucht wurden erfunden.

Das Ergebnis dieser „grünen“ Umweltveränderung im Inneren Mitteleuropas war eine noch schärfere Auslese der hier lebenden Menschen, eine noch deutlichere Herausarbeitung der nordischen Rassemerkmale.

Die indogermanischen Wanderungen

Um etwa 4000 v.Ztw. lassen sich, zeitlich etwas versetzt, vier grosse „Kulturkreise“ in Mitteleuropa unterscheiden. Der von der Nordsee und Ostsee bis Thüringen reichende „nordische Kreis“ wurde von zwei Völkern gebildet, von denen das eine, in Meeresnähe lebende, seinen Toten riesige Häuser oder Stuben aus mächtigen Steinen als Erbbegräbnisstätten für ganze Sippen erbaute, und die wir deswegen die „Grosssteingräberleute“ nennen. Sie waren vorwiegend fälischer Rasse mit geringerem nordischen Einschlag.

Das andere, mehr im Landesinneren wohnende Volk, bestattete seine Toten einzeln in Steinkisten und gab ihnen Gefässe bei, die durch den Abdruck von Schnüren im weichen Ton verziert waren. Wir nennen sie daher „Schnurkeramiker“. Sie waren nahezu rein nordischer Rassezugehörigkeit. Beiden Völkern war gemeinsam das rechteckige, mit hohem Dach und offener Vorhalle versehene Haus. Auch verwendeten sie sehr ähnliche Waffen, Werkzeuge und Hausgeräte.

Südöstlich von den Wohnsitzen der Grosssteingräberleute und der Schnurkeramiker lebten die Nachkommen der Bandkeramiker. Sie siedelten fast ausschliesslich auf fruchtbarem Lössboden und verbreiteten sich von Südrussland bis hinauf nach Köln. Gewohnt wurde in einem merkwürdig gebauten, runden, in den Boden eingetieften Haus. Die Bandkeramiker gehörten mehr der rundköpfigen, ostischen Rasse an, obwohl bei ihnen auch gelegentlich langköpfige, nordische Schädelformen gefunden wurden. Nordöstlich der Wohnsitze der Grosssteingräberleute und der Schnurkeramiker, im Baltikum, lebte ein Volk, das seine Tongefässe mittels eines Kammes verzierte, weswegen man von der Gruppe der „Kammkeramiker“ des nordosteuropäischen Kulturkreises spricht.

Die Völker des „westeuropäischen Kulturkreises“ trugen damals bereits die körperlichen Kennzeichen der westischen Rasse. Sie lebten in Rundhütten, die aber noch einfacher als die der Bandkeramiker waren. Sie verzierten ihre lederbeutelartigen Tongefässe wenig oder garnicht.

Etwa gegen 2500 v.Ztw., als das Klima trockener und die Nahrungsmittel knapper wurden und die im nordischen Kreis lebenden Schnurkeramiker und deren Nachkommen, die „Streitaxtleute“, zahlreicher geworden waren, fand ein erster, eher vorsichtiger Vorstoss dieser Indogermanen in fremde Gebiete statt. Vor allem in die Länder der „Grosssteingräberleute“ im Ostsee- und Nordseegebiet zogen sie, was zur „Indogermanisierung“ des Nordens führte. Langsam dehnte sich ihre Expansion weiter, über den grössten Teil Mitteleuropas aus. Sie endete vorerst im Südwesten Deutschlands und am Schwarzen Meer.

Kurz darauf folgte die zweite Welle. Diese ging vom heutigen Thüringen aus. Bei diesen Thüringer Nordleuten überwog bei weitem die rein nordische Rasse und wir erkennen ihre Hinterlassenschaften wiederum in der „Schnurkeramik“ und in den ausserordentlich sorgfältig gearbeiteten Bootsäxten oder „Streitäxten“, weshalb man ja von den „Streitaxtleuten“ spricht. Sie verehrten die Sonne als Gottheit, wie wir aus Grabbeigaben in Form von Sonnensymbolen wissen. Die Streitaxtleute sind das eigentliche indogermanische Kernvolk. Die Schnurkeramik war ihr Kunststil, die Hockerbeisetzung im Einzelgrab ihre Bestattungsart und die Streitaxt ihr Hauptwerkzeug und ihre Waffe.

Dieser zweite nordische Vorstoss war heftiger. Er umfasste nunmehr fast ganz Europa. Im Westen reichte er bis nach England. Dort waren von den Megalithikern gewaltige Steinsetzungen, Menhire, aufgerichtet und sogenannte Henge-Monumente, runde Sakralanlagen und astronomische Observatorien von 50 – 500 m Durchmesser erstellt worden. Fünf dieser gewaltigen Anlagen wurden bisher freigelegt, darunter auch Stonehenge, jenes Sonnenheiligtum, das für unseren Kalender und unsere Zeitrechnung von grosser Bedeutung ist.

Im Süden zogen diese nordischen Indogermanen über die Alpen nach Italien, wo später aus der Vermischung mit der einheimischen Bevölkerung die „Italiker“ und noch später die Römer hervorgingen. Im Südosten ging es über Schlesien, Ungarn und Siebenbürgen nach Griechenland, wo sich aus ihnen das Hellenenvolk entwickelte. Im Nordosten wurden Finnland sowie Russland bis zum Ural besiedelt. Der Ostzug reichte über Polen, Südrussland nach Persien und Indien. Einzelne Vorstösse gingen sogar noch weiter ostwärts. So fand man vor kurzem in der nordwestchinesischen Provinz Sinkiang, am Rande der Wüste Gobi, 110 mumifizierte Leichname von Menschen mit blonden Haaren, langen Nasen und länglichen Köpfen. Nach der Radiokarbonmethode starben sie um etwa 2500 v.Ztw. Eine Analyse der Webtechnik ihrer Kleidung deutet auf den mitteleuropäischen Siedlungsraum hin. Forscher glauben, dass die Chinesen von diesen Indogermanen das Rad, sowie erste Kenntnisse der Metalltechnik gebracht bekamen.

Vergessen wir nicht: Die Pyramiden, angeblicher Inbegriff von Kultur, Zivilisation, Wissenschaft und Fortschritt wurden erst 1500 Jahre später begonnen. Und unsere eigene Geschichte hingegen beginnt nicht, wie man uns gerne glauben machen will, mit dem Jahr 1945 oder bei „Karl dem Grossen“, auch nicht mit dem Vorstoss der Cimbern und Teutonen ins römische Weltreich, sondern mit den Grosssteingräberleuten und den Schnurkeramikern, die bereits ab 4000 Jahre v.Ztw. dem Abendland ihren Stempel aufprägten.

Die Indogermanen kamen auf ihren Wanderungen nicht nur in unbesiedelte Gebiete. Sie trafen fast immer mit einheimischen Ureinwohnern zusammen und setzten sich in ihren Burgen, die sie jetzt in ihrer Wanderzeit bauten, als Herren über die unterworfenen Völker fest oder siedelten als Bauern neben ihnen – wenn Friede möglich war. Die Besiedelung so grosser Landgebiete in relativ kurzer Zeit wird nur verständlich, wenn wir die grosse Lebenskraft der Indogermanen bedenken und daneben die Tatsache, dass sie als einziges Volk Europas schon gegen Ende der Steinzeit hervorragende Waffen besassen, prächtige Dolche und steinerne Streitäxte von ausgezeichneter Güte. Aber nicht nur ihre kriegerische Haltung, sondern vielmehr ihre kulturelle Überlegenheit liess sie rasch zur Herrenschicht über die anderen Völker werden. Sie hatten bereits den Hakenpflug, das Rechteckbeil, das gezähmte Pferd und den Wagen, dessen älteste bekannte Darstellung im Steinkistengrab von Züschen bei Fritzlar zu sehen ist. Geradezu symbolhaft für die Wanderungen der Indogermanen ist das nordische Haus. Wo die Nordleute hinkamen, bauten sie jene grossen Giebelhäuser mit den offenen Vorhallen, die in starkem Gegensatz zu den im Süden noch üblichen Rundhütten standen. Im griechischen Tempel hat sich das nordische Haus bis in viel spätere Zeiten erhalten.

Natürlich brachten die Indogermanen ihre Götter aus dem Norden mit: Tyr = Ziu wurde z.B. im Lateinischen zu Jupiter, im Griechischen zu Zeus und im Indischen zu Diaus.

Auch in gesellschaftlicher Beziehung haben die Indogermanen im Süden manches geändert. Hier herrschte weithin das Mutterrecht, d.h. die Verwandschaft wurde nach der Mutterseite hin bestimmt. Die Stellung des Vaters war eine untergeordnete, eine Familie in unserem Sinne war damit nicht möglich. Die Indogermanen brachten die Vaterfamilie und wohl auch die Einehe mit. Dies bedeutete nicht eine Unterordnung der Frau, im Gegenteil: Schon die steinzeitlichen Bestattungen des Nordens zeigen ja, dass man Frauen in Bestattungsart und Grabbeigaben mindestens die gleiche Ehre angedeihen liess, wie den Männern.

Leider haben sich die nordischen Indogermanen, die in den Süden gezogen waren, mit der dortigen Bevölkerung nach und nach vermischt. Das Ergebnis ist bekannt: Untergang der indischen Kultur, Untergang des persischen Reichs, Untergang der Griechen, Untergang der Römer.

Als gegen Ende der Steinzeit, etwa um 2500 v.Ztw., die Indogermanen von der Ostsee und aus Thüringen in alle Teile der damals bekannten Welt gezogen waren, endete auch die Zeit der Megalithgräber.

Die Germanen kommen

Grosse Teile der Indogermanen machten die erwähnten Wanderungen nicht mit. Sie blieben in ihren mitteleuropäischen Kerngebieten zurück und vermischten sich daher nicht mit fremden Völkern. Das gilt insbesondere für die in Mitteldeutschland ansässigen Schnurkeramiker und deren Nachkommen, die Streitaxtleute. Dort wo die Streitaxtleute mit den Grosssteingräberleuten jedoch zusammenstiessen fand das statt, was wir den „Asen-Wanen-Kampf“ nennen und wovon unsere Geschichte gleich berichten wird. Als wieder Friede herrschte, entwickelte sich durch die Vereinigung mehrerer gleichartiger Kulturgruppen im Gebiet um Jütland, den dänischen Inseln, Südschweden und Norddeutschland eine gemeinsame Sprache, die man als „urgermanisch“ bezeichnet. Sie wurde allmählich zur Sprache aller germanischen Gruppen und damit zur kulturellen Grundlage eines germanischen Volkes vorwiegend nordischer und fälischer Rassezugehörigkeit.

Die erste „Lautverschiebung“ dieser vorgermanischen Sprache fand um ungefähr 2000 v.Ztw. statt. Ein Beispiel: Der Name „Germanen“ ist zwar wissenschaftlich noch nicht einwandfrei geklärt. Das Wort „Ger“ hat aber ursprünglich „Har“ bzw.“Hall“ geheissen, sodass man eigentlich von „Hallmanen“ sprechen müsste, was soviel wie „Meermänner“ bedeuten würde. Die Germanen wohnten ja am Meere, weshalb die Römer die Nordsee das „Germanische Meer“ (Mare Germanicum) nannten. Tacitus schreibt: „Die Stämme der Suionen sind ausser durch Männer und Waffen durch ihre Flotten mächtig…“, was auf Vertrautheit mit dem Wasser und dem Bootsbau hinweist.

Etwa um 2000 v.Ztw., dem Beginn der Bronzezeit, waren die Germanen so stark geworden, dass sie den ganzen mittel- und nordeuropäischen Raum einnahmen. Als die einzigen, weitgehend reinen Nachkommen der nordischen Indogermanen wundert es nicht, dass sie sich den umgebenden Völkern überlegen zeigten und immer wieder kulturelle Höchstleistungen hervorbrachten. So steht die erste Periode der germanischen Entwicklung, die Bronzezeit, unter den Zeichen der Reife dieses Volkes zu ungeahnter Kulturblüte.

Der Asen – Wanen – Kampf

Bis jetzt haben wir eigentlich nur den vorgeschichtlichen Hintergrund erörtert für den Zeitraum vom Auftauchen der Cro-Magnon-Menschen bis zum Beginn der Bronzezeit. Ausserdem haben wir von den kulturellen Äusserungen der entstandenen Völker gesprochen.

Um den Asen-Wanen-Kampf zu verstehen, müssen wir uns jetzt etwas näher mit den religiösen Vorstellungen zunächst der Grosssteingräberleute und dann der Streitaxtleute befassen. Und danach mit dem Krieg der Streitaxtleute gegen die Grosssteingräberleute und deren Nachkommen.

Erinnern wir uns:

Die älteste Verbreitung der Grosssteingräber an der südschwedischen, dänischen und norddeutschen Küste zeigt uns das Ursprungsgebiet dieser Kultur etwa um 4000 v.Ztw.. Die in den Grosssteingräbern ruhenden Toten gehören zum geringeren Teil der nordischen, insbesondere aber der fälischen Rasse an. Aus den Grabbeigaben schliessen wir auf einen Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode. Diese Denkmäler für die Ewigkeit wurden den Toten aus Fürsorge und Ehrfurcht errichtet. Eine Trennung von Leib und Seele war damals zunächst unbekannt. Später bemerkte man aber, dass zwischen Körper und Seele unergründlich tiefe, von Geschlecht zu Geschlecht fortlebende Zusammenhänge bestehen. Weil man sich zunächst das Weiterleben nach dem Tode „körperlich“ dachte, sorgte man liebevoll für die Toten, indem man ihnen ein unvergängliches Haus baute und sie mit Speise und Trank und allem versah, was sie nach dem Tode hätten benötigen können. Waren die Grabkammern zunächst noch recht klein, so wurden sie später zu gewaltigen Kammern, die nicht nur der Bestattung eines Einzelnen, sondern ganzer Sippen dienten. Diese waren jahrhundertelang im Gebrauch, auch noch, als schon längst keine neuen Hünengräber mehr errichtet wurden.

Von Zeit zu Zeit brannte man in den Grabkammern Feuer ab und möglicherweise geht unsere Sitte, am Totensonntag Lichter auf die Gräber zu stellen, bis in diese Zeit zurück.

Bei späteren Gräbern finden sich Hinweise auf einen höherentwickelten Jenseitsglauben, einen „Seelenglauben“. So wurde das Grab jetzt mit einem Steinkranz umgeben, dem Bannkreis. Er begrenzte das Gebiet des Toten. Auf den Grabhügel oder daneben stellte man einen grossen Steinpfeiler als Ruheplatz für die Seele, die man sich in Gestalt eines Vogels dachte. Aus diesen Seelensteinen hat sich unser heutiger Grabstein entwickelt.

Die Bestattungssitten veränderten sich im Laufe der Zeit. Am Ende der Steinzeit wurden nur noch kleine Steinkisten in niederen Grabhügeln gebaut. Der Gedanke des Fortlebens der Toten als Seelen machte nun die Errichtung der bisherigen grossen Grabbauten unnötig. Häufig findet sich jetzt an der Rückwand der Steinkiste ein rundes Loch eingeschlagen, das „Seelenloch“. Man dachte sich, dass zu ihm die Seele hinausflöge. Die in diesen Steinkisten begrabenen Männer tragen Waffen von allerbester Güte, die Frauen sind mit erlesenem Bernsteinschmuck geschmückt. Man kann vermuten, dass unsere Ahnen sich das Jenseits als ein in Kampf und Freude gesteigertes Dasein vorstellten. Das Totenreich wurde als Sonnenreich empfunden, Sonnenheiligtümer waren oftmals gleichzeitig Grabstätten.

Dieser Seelenglaube hatte den alten steinzeitlichen Glauben an das Weiterleben des toten Leichnams so weit schon überwunden, dass jetzt zum Beginn der Bronzezeit der Brauch der Totenverbrennung aufkam. Durch die Verbrennung wurde die Seele von den letzten Resten der Körperlichkeit befreit. Die Erhaltung des Leibes war jetzt, 2000 v.Ztw., unnötig geworden.

Auch Göttervorstellungen hatten die Megalithiker, die „Grosssteingräberleute“, entwickelt. Sie waren bekanntlich Bauern, Viehzüchter, Fischer, jedenfalls Sesshafte. Dementsprechend sahen auch ihre Glaubensvorstellungen aus: Fruchtbarkeit, Wachstum, Reife, Ernte spielten in ihrem Leben eine ganz wichtige Rolle. Die „Mutter Erde“ war für sie von grosser Bedeutung, hing doch alles Leben von ihr ab. Der Kult der „Grossen Göttin“ war ihre Entwicklung, in ihm drückten sie ihre Wünsche und Hoffnungen, aber auch ihre Dankbarkeit der Natur-Gottheit gegenüber aus. Da die Megalithkultur sich von Südschweden, die nordwesteuropäischen Küsten entlang bis nach Portugal ausdehnte, finden wir in diesem Gebiet Abbildungen der „Grossen Göttin“ in fast allen Formen.

Darüberhinaus war die Naturbeobachtung für das Dasein der Megalithiker von grosser Bedeutung. Deshalb wird es erklärlich, dass manche der von ihnen errichteten Steinsetzungen wie z.B. Stonehenge, eine astronomische Ausrichtung auf im Jahreslauf bedeutsame Punkte haben. Da sie vorwiegend an Meeresküsten lebten, gab es bei Ihnen auch entsprechende Meeresgötter und Wassergötter. Und selbst als ihre späteren Generationen keine Grosssteingräber mehr bauten, hielten diese noch lange an den überkommenen Naturgöttern fest und enwickelten sie sogar weiter.

Die Wanen – Götter der Megalithiker

Wir haben mehrere Hinweise dafür, dass diese Naturgötter, denen hauptsächlich Fruchtbarkeitsmythen zugrunde liegen und die von den Grosssteingräberleuten und deren Nachkommen verehrt wurden, diejenige Gruppe von Göttern ist, die in der Edda als „Wanen“ bezeichnet werden, im Gegensatz zu den Göttern der Streitaxtleute, deren Göttervorstellungen als die „Asen“ bezeichnet werden.

Von den Wanengöttern kennen wir nur wenige dem Namen nach: Nöjrd und/oder Nerthus, Freyr, Freyja und Ullr. Allem Anschein nach sind auch die Walküren, die Göttinnen des Kampfgeschicks und des Schlachtentods, ebenfalls Waninnen. Beginnen wir unsere Beschreibung der Wanengötter mit ihnen:

Hoch zu Ross reiten die Walküren über die Kampfstätte und erfüllen Walvaters Befehle: Binden und lösen Gefangene, bringen Sieg oder Niederlage, erwecken die gefallenen Helden durch ihren Kuss zum ewigen Leben und entrücken sie ins himmlische Asgard. Sie sind nicht nur gewaltige Kämpferinnen, sondern auch mitleidvolle Helferinnen. Ihr himmlisches Schloss heisst Wingolf, die „Freundschaftsburg“. In Walhalla gehen sie unbewaffnet und bringen den Einherieren den Met (Lebenstrank). Sie werden auch Walvaters Botinnen oder Töchter genannt. Sie sind den Nornen eng verwandt, denn auch sie sind Weberinnen des Schicksals – eine von ihnen heisst ebenfalls „Skuld“, wie die jüngste der Schicksalsfrauen – und sie können sich in Schwäne verwandeln.

Wenn die Walküren ihre schimmernden Schwanenhemden anziehen, schwimmmen sie über die Wasser, fliegen sie in Schwanengestalt durch die Lüfte. Legen sie aber diese Gewänder ab, dann erscheinen sie als göttliche Jungfrauen, und wenn eine von ihnen, wie einst Brünhild, sich das Schwanenhemd rauben lässt, fällt sie in die Gewalt des Räubers. Die Walküren sind Vermittlerinnen zwischen der Götter- und Menschenwelt. Wir hören von drei oder sieben, doch meist von neun Walküren. Unter diesen werden in den Sagen namentlich Sigrun, Sighild, Siglind, Brünhild, Gunda, auch Thrud (Thors Tochter), genannt. Frigga-Freya erscheint unter ihnen mit dem Namen Hilde, das heisst Krieg. Nicht alle von ihnen sind göttlicher Herkunft, manche sind schöne und tapfere Königstöchter wie Brünhild und Sigrun, die Walvater zu sich erhoben hat.

Aus dem Bild der Walküren spricht zu uns die Heldenhaftigkeit der späteren germanischen Frau, die selbst in gefahrvollen Zeiten auf ihre Weise am Kampf der Männer teilnimmt. Es zeigt sich in diesen mythischen Gestalten auch die Hochachtung des germanischen Mannes vor der Frau – vornehmste Helden wie Sigurd, Helgi u.a., lieben eine Walküre. Schönheit, Weitsicht (prophetische Gabe) und Mut sind die Tugenden der germanischen Frau, die Walküren sind Versinnbildlichungen dieser Frauenideale.

Die ursprüngliche Wohnung der Wanen, jener geheimnisvollen, uralten Erd- und Wassergötter, ist „Wanaheim“. Nach der Edda hat die Welt neun Reiche: drei unterirdische, drei irdische, drei himmlische. Im Innern der Erde verbergen sich „Niflheim“, das Land des Eises und der Toten. Ausserdem „Niflhel“, der tiefste Abgrund, in dem die Verbrecher und Meineidigen, die Lügner, Volksverräter und Rasseschänder ihre Strafe erleiden. Sowie „Schwarzalfenheim“, das Land der Schwarzelben, pechschwarzer, verwachsener Erdgeister, die so hässlich sind, dass es in der Edda heisst, es sei besser, sie nicht zu beschreiben.

Auf der Erde liegen das Menschenland „Midgard“, dann „Riesenheim“, das Land der Frost- und Reifriesen, und nahe dem Meere jenes „Wanaheim“, das Reich der Wanen.

Im Himmel breiten sich aus das Feuerland „Muspelheim“, „Lichtalfenheim“ und „Asgard“, das Land der Asen.

Vielleicht sind auch die Elben vorgermanische, wanische Wesen. Sie müssen einmal mächtiger gewesen sein, als sie später erscheinen, darauf deuten unsere Märchen hin. Wir haben nur wenige Hinweise in der Edda: „Elfenheim gaben dem Frey in Urtagen die Himmlischen als Zahngeschenk“ (Lokis Zankreden 35). Frey nennt in „Skirnirs Fahrt“ die Sonne „Elfenstrahl“ (alfrothull) und klagt darüber, dass niemand „von den Asen und Elfen“ (asa ok alfa) ihm zu seiner Liebe verhelfe. Unter den in Ägirs Halle versammelten „Asen und Elfen“ werden zwei mit Namen genannt, Byggwir und sein Weib Beyla; beide dienen dem Frey. In den „Sigrdrifa-Sprüchen“ 18 (Sigrdrifumal) wird von den Runen gesagt: Sie sind bei den Asen, sie sind bei den Elfen, einige sind bei den weisen Wanen, einige haben die irdischen Männer. Zwei bedeutende Göttergestalten sind offenbar elbischer Herkunft: Heimdall und Loki. Heimdall ist „hellhörig“, und er besitzt ein Nothorn, das Giallarhorn, das er bläst, wenn den Göttern Gefahr droht. Loki brachte einst den Menschen das Feuer, die Lohe, wie sein Name sagt. Er wird als „das Böse an sich“ dargestellt und dem Reinsten, dem Baldur – einem Asen – gegenübergestellt.

In der deutschen Überlieferung waren die Elfen zunächst mit dämonischen Zügen behaftet. Im 18. Jahrhundert aber wandelte sich die Vorstellung von ihnen in liebliche, vorwiegend weibliche Geister- und Zauberwesen. Dies wurde vor allem durch den Dichter Wieland, Shakespeares „Sommernachtstraum“ und das Märchen „Die Elfen“ von L.Tieck bewirkt. Heutige Vorstellungen von den Elfen können wir auf Münzen sehen. Nicht etwa in der Bundesrepublik, die vom Geist des Sinai durchdrungen ist und germanische Mythologie verachtet, sondern auf Münzen der Isle of Man. Die britische Künstlerin Cicely Mary Barker hat vier reizende Entwürfe von Elfen gefertigt, die verschiedene Silber- und Goldmünzen dieser alten, germanischen Insel schmücken.

Auf den frühesten südnorwegischen und südschwedischen Felszeichnungen, die noch vor Beginn der Bronzezeit angefertigt wurden, sieht man nicht nur Tiere und „Jagdzauber“, sondern auch anderes Religiöses: Tänzer, Beter, Lurenbläser, symbolische Schlangen, Bäume, Fussspuren, Sonnenräder, Liebespaare, sehr viele Schiffe, Krieger mit Äxten, einen Riesen mit einem Speer. Diese Abbildungen zeigen sicherlich Kulthandlungen, Fruchtbarkeitskulte, wie sie die wanenverehrenden Megalithiker in Gebrauch hatten. Die Schiffe weisen auf den wanischen Meergott Njörd hin, wohl auch auf das Totenschiff. Die Fussabdrücke erinnern an die Sage von Skadi, der zweiten Frau von Njörd und vielleicht auch an den Urriesen Ymir. Die Krieger mit den Äxten, überhaupt das Axtzeichen, weisen aber auch auf Donar-Thor hin, den Hammergott bzw. Axtgott, und der Riese mit dem Speer würde gut zu Tyr passen. Von Odin-Wotan finden wir auf den frühesten Felsbildern keine Spur (!), erst die viel später entstandenen Bilder zeigen Götter, die man bestimmt den Asen zurechnen muss. Leider bleibt ein gewisses Mass an Unsicherheit, ob diese frühen Wanen-Bilder, wenn es solche sind, von germanischen oder vorgermanischen Menschen in die Felsen eingeschliffen und eingemeisselt wurden.

Insgesamt gesehen sind die Wanengötter eine Gruppe ziemlich verwischter Gestalten im Gegensatz zu den Asen, die in der Edda recht deutlich beschrieben werden. Die Wanen sind in ihrem Wesen Fruchtbarkeitsgötter, die noch recht primitive, fast animalische Züge aufweisen: „Bei ihnen ist es Brauch, dass Brüder ihre Schwestern heiraten“, berichtet uns Snorri Sturluson. So hatte der Meergott und König der Wanen, Njörd, mit der Erdgöttin Nerthus, seiner ersten Gemahlin und Schwester, zwei herrliche Kinder gezeugt: Freyr und Freya. Solche Ehen wurden bei den asenverehrenden Germanen als blutschänderisch gebrandmarkt. In der Edda finden wir auch einen Hinweis darauf: „Hör auf, Njörd! Den Übermut lass! Heute verhehl‘ ich’s nicht: Mit deiner Schwester zeugtest du diesen Sohn (Freyr), wie es zu erwarten war (Lokis Zankreden 36).

Da Geschwisterehen bei den Germanen, ausser in ganz seltenen Ausnahmefällen, z.B. aus dynastischen Erwägungen, völlig ausgeschlossen waren, hat man in diesen Wanen-Ehen eine Erinnerung an eine uralte Rechtsordnung zu sehen vermeint, die solche Ehen gestattete. Man glaubte nämlich, diese Rechtsordnung sei kennzeichnend für die vor-indogermanische Bevölkerung – eine nicht bewiesene Vermutung, die im 19.Jahrhundert verbreitet war.

Die grosse Mutter

Eine wichtige Wanengöttin ist Nerthus, die Erdgöttin, die „grosse Mutter“. Noch heute reden wir von der „Mutter Natur“, aus deren Schoss wir stammen und zu der wir zurückkehren werden. Tacitus berichtet uns im 40. Kapitel seiner Germania :

„Die Reudinger, alsdann die Awionen, Angeln, Wariner, Eudosen, Swardonen und Nuitonen sind durch Flüsse und Wälder geschützt. Im einzelnen ist bei ihnen nichts Bemerkenswertes, ausser, dass sie gemeinsam die Nerthus, d.h. die Mutter Erde verehren und glauben, sie kümmere sich um die Angelegenheiten der Menschen und komme zu den Völkern gefahren. Auf einer Insel des Ozeans (Helgoland ??) ist ein heiliger Hain, in ihm ein geweihter Wagen, der mit Tuch überdeckt ist. Nur dem Ältesten ist es erlaubt, ihn zu berühren. Er merkt es, wenn die Göttin im Heiligtum anwesend ist, spannt dann Kühe an den Wagen und geleitet die Göttin mit grosser Ehrfurcht. Freudig sind jetzt die Tage, festlich geschmückt all die Orte, welche die Göttin ihrer Ankunft und ihres Besuchs würdigt. Man zieht nicht in den Krieg, greift nicht zu den Waffen. Weggeschlossen ist alles Eisen. Ruhe und Friede ist jetzt nur bekannt, jetzt nur geliebt, bis derselbe Älteste die Göttin, die des Verkehrs mit den Menschen müde ist, in das Heiligtum zurückbringt. Dann werden Fahrzeug und Decken und, wenn man es glauben will, die Gottheit selbst in einem verborgenen See abgewaschen. Dabei dienen Sklaven, die sofort derselbe See verschlingt. Daher herrscht ein geheimes Grauen, ein heiliges Dunkel, was das für ein Wesen sei, das nur Todgeweihte sehen.“

Njörd

Tacitus schildert uns die Frühlingsgottheit weiblich, als Göttin. In Skandinavien aber heisst diese Gottheit Njörd und sie ist immer männlich. Dabei kann es wohl kein Zufall sein, dass ein wichtiges Heiligtum Njörds gerade auf einer kleinen Insel vor der norwegischen Westküste liegt (Njördarlög oder Tysnes, wie die Insel heute heisst, am Eingang des Hardangerfjords). Offenbar wurde Njörd in Skandinavien viel verehrt. So gibt es eine norwegische Eidesformel, in der es heisst: „So helfe mir Njörd und Freyr und der mächtige Ase (Odin )!“

Wenn wir auf einer Karte von Skandinavien die Orte einzeichnen, die nach Njörd, seinem Sohn Freyr und seiner Tochter Freya benannt sind, so finden wir 35 Orte, die nach Njörd benannt wurden. Nach Freyr wurden 54 benannt und nach Freya wurden 89 Orte benannt. Diese Orte liegen ausnahmslos im ehemaligen Megalithikergebiet und ihre Lage zeigt deutlich die Ausbreitung des Wanenkults an. Nach den drei Wanen sind insgesamt mehr Orte benannt als nach allen Asengöttern zusammen (!), was die Bedeutung dieses Kultes nur unterstreicht.

Es ist eigenartig, dass neben Njörd eine „Schwester“ als seine Gemahlin erwähnt wird. Einige Gelehrte haben deshalb gemeint, Nerthus/Njörd sei ursprünglich ein zweigeschlechtliches Wesen gewesen. Die Gottheit, die über die Fruchtbarkeit herrscht, kann in der Tat beide Geschlechter in sich vereinigt haben, aber beweisbar ist das nicht.

Wahrscheinlich ist die Göttin Nerthus die ältere Gestalt. Sie dürfte wohl im norddeutschen Raum von den Megalithikern aus der „grossen Mutter“, der Erdgöttin, entwickelt worden sein und wurde mit deren Vordringen nach Skandinavien zur männlichen Gottheit namens Njörd umgeformt, die eindeutig jüngeren Ursprungs ist.

Und in der Tat findet der eben erwähnte Brauch, die Göttin Nerthus von einem nicht genannten männlichen Begleiter, dem Ältesten, geleiten zu lassen, in Skandinavien seine Entsprechung. In Schweden wurde zur damaligen Zeit im Frühjahr ebenfalls ein Wagen durch die Lande gefahren, auf dem aber eine Statue des Gottes Freyr (Sohn Njörds), des eigentlichen „Schwedengottes“, von einer nicht genannten weiblichen Ältesten begleitet wurde. Wo dieses Gefährt hinkam, ehrten es die Leute mit Opferschmäusen, brachten reiche Geschenke, Gold, Silber, schöne Gewänder und andere Kostbarkeiten.

Tacitus gibt sehr gut die Athmosphäre des Nerthus-Kultes in Germanien wieder: Begeisterung über die Ankunft der Göttin, welche das Wiederaufleben der Natur nach der Erstarrung des Winters ankündigt, Ehrfurcht vor der gewaltigen Macht, die dieses Wiederaufleben bewirkt.

Tacitus zählt sieben Völker auf, welche die Göttin Nerthus verehrten. Es sind dies die sogenannten „Nerthusvölker“, die allesamt zu den Ingwäonen (Nordgermanen) gehören. „Ing“ ist aber nur ein anderer Name für Freyr, den Stammvater der Inglinge, von denen sich jahrhundertelang die schwedischen Könige herleiteten. Ing galt den Nerthusvölkern als Sohn des Mannus, was soviel wie „der Mensch an sich“ oder „Urmensch“ bedeutet. Er ist der Sohn von Tuisto, der aus der Erde geboren ist. „So singen sie in alten Liedern“, sagt uns Tacitus. Dieser Mythus wurde lange Zeit nicht vergessen. Noch um 900 nach der Ztw. heisst es im altenglischen Runengedicht, „Ing ward zuerst unter den Ostdänen (Schweden) von den Männern gesehen, bis er darauf ostwärts über die Flut ging; der Wagen rollte nach.“

Befassen wir uns noch ein wenig mit Njörd, dem männlichen Gegenstück der Nerthus. Er gebietet dem Wind, dem Wetter und dem Feuer. Man ruft ihn an, um Reichtum, günstige Winde, Jagdbeute zu erhalten. Er wohnt im Himmel bei den Asen, obwohl er ein Wane ist, denn er ist eine der Geiseln, die Asen und Wanen am Ende des Asen-Wanen-Kampfes austauschten. Seine Wohnung heisst Noatun, was „Gehöft der Schiffe“ bedeutet, denn er ist der Gott des Meeres, der Seefahrt und des Fischfangs. Mit Nerthus, seiner ersten Frau zeugte er zwei Kinder, Freyr und Freya, von denen wir noch hören werden. Nerthus musste er verlassen als er als Geisel nach Asgard ging, denn sie ist ja seine Schwester, und Geschwisterehen widersprechen dem Gesetz, das in Asgard gilt.

Seine zweite Frau war Skadi, die Tochter des Riesen Thjazi. Und das kam so:

Die Göttin Iduna ist bekanntlich die Hüterin der Äpfel, die den Asen die ewige Jugend erhalten. Loki, das Böse an sich, lockte einst Iduna unter dem Vorwand, ihr noch kostbarere Äpfel zu zeigen, aus dem schützenden Asgard heraus. Dort wurde sie von dem Frostriesen Thjazi ergriffen und nach Jötunheim verschleppt. Den Asen bekam Idunas Verschwinden schlecht; ohne die lebenspendenden Äpfel wurden sie schnell grau und begannen zu altern. Sie zwangen daher Loki, Iduna zurückzuholen, was er mit Mühe zuwege brachte. Den Riesen Thjazi holten die Asen mit loderndem Feuer vom Himmel, als er in Adlergestalt Loki verfolgte. Seine Tochter Skadi kam daraufhin bewaffnet nach Asgard um den Tod ihres Vaters zu rächen. Die Asen boten ihr einen Vergleich an. Sie könne in Asgard bleiben und sich einen der dort wohnenden Götter zum Manne nehmen, allerdings dürfe sie bei der Auswahl nur die Füsse der Götter sehen. Skadi willigte ein, denn sie hatte ein Auge auf Balder geworfen, den schönsten der Götter. Da sah sie ein Paar ausnehmend schöner Mannesfüsse und sagte: „Diesen wähle ich! An Balder wird nichts Hässliches sein.“ Es war aber Njörd aus Noatun. Und so wurde Skadi die Gattin Njörds.

Diesen Mythus vom „Gott mit den schönen (grossen?) Füssen“ finden wir mehrfach auf den Felsbildern in Südschweden eingemeisselt.

Njörds grösste Lust ist es, dem Rauschen der Wogen und dem Gesang der Schwäne zuzuhören. Wenn Ägir, der wellenaufpeitschende Sturmwind, zu wild wird, dann genügt ein Wink des mächtigen Wanen, und die Fluten beruhigen sich. Njörd geht in meergrünem Gewande einher, Muscheln schmücken seinen Hut, seine schönen Füsse aber, die ihm Skadi gewannen, lässt er unbedeckt.

Freudig führte Njörd die Gattin in sein Schloss am Meeresufer. Doch Skadi, die den Wald und die Berge, weissen Schnee und glitzerndes Eis, wilde Tiere, die Jagd und den Schneeschuhlauf liebt, wurde nicht froh in Noatun. Sie hasste das Geschrei der Meeresvögel und das Brausen der Brandung. Da schlug ihr Njörd vor, dass sie beide abwechselnd neun Tage in seinem Reich und neun Tage in den Bergen verbringen sollten. Aber auch er litt Skadis Heimat nicht, das Heulen der Wölfe war ihm zuwider. Darum trennten sich die Gatten. Spìter heiratete Skadi den ritterlichen Wanengott Ullr aus Eibental und genoss an seiner Seite die Freuden, die Winter und Berge schenken.

Wie erwähnt, sind die Wanen vorgermanische Götter. Durch Funde und Berichte wird uns deutlich gezeigt, dass der Gedanke der Fruchtbarkeit von Pflanzen, Tieren und Menschen in den Wanengöttern, zum Beispiel bei Freyr, Ausdruck in einer sehr eindeutigen sexuellen Symbolik findet, ja man muss sagen, dass der Wanenkult häufig orgiastischen Charakter hatte. So wird Freyr’s Statue in Upsalla als „cum ingenti priapo“, mit aufgerichtetem Glied, beschrieben, also phallisch, wie die ältesten pfahlförmigen Götterfiguren und viele Felszeichnungen in Skandinavien ebenfalls zeigen. Diese Darstellungsweise ist dem Germanischen fremd.

Freyr

So wie Nerthus ein weibliches Gegenstück zu Njörd ist, so sehr gehören Freya und Freyr als Geschwisterpaar zusammen. Dies scheint ein sehr altes, indogermanisches, also vorgermanisches Element zu sein, denn in der frühen griechischen Mythologie sind Kronos und Rhea auch gleichzeitig Geschwister und Gatten, ebenso wie Zeus und Hera.

Njörds Kinder Freyr und Freya kamen ebenfalls als Geiseln nach Asgard. Freyr ist wohl eine verjüngte Form von Njörd. Auch ihm wirft Loki in seiner Zankrede (32) inzestuöse Beziehungen zu seiner Schwester vor. Aber genauso wie sein Vater, erhält auch Freyr nach seiner Schwester noch eine Riesentochter als Gattin zugewiesen, nur ist er es diesmal, der die Initiative ergreift. Das „Skirnirlied“ erzählt, wie Freyr sich in die schöne Riesentochter Gerd verliebte, und wie sein Diener Skirnir eine Reise antrat und für ihn um die Geliebte warb.

Freyr scheint hauptsächlich mitten im Winter, nämlich in der Julzeit verehrt worden zu sein. Allerorten wurde ihm geopfert um eine gute Ernte im folgenden Jahr zu erlangen. Freyr ist der Gott der Sonne und des himmlischen Lichtes. Sein Reittier ist Gullinbursti, der Eber mit den goldenen, weithin schimmernden Borsten, sein Fest das Julfest, die Wintersonnenwende. Lichtalfenheim, das Land der Lichtelben ist ihm untertan. Dieser menschenfreundliche Gott bringt die Wärme, die Fruchtbarkeit und den Frieden.

Eine angelsächsische Legende erzählt von Skeaf, der als schlafendes Kind in einem Boot an Schwedens Küste landete, von den Bewohnern als ein von Odin geschicktes Geschenk begrüsst und zum König gekrönt wurde. Als er nach einer gesegneten Regierungszeit starb, ward er, wie er sich das gewünscht hatte, wiederum in ein Schiff gelegt, das ihn in seine rätselhafte Heimat zurückbrachte. Dieser Skeaf und der Wanengott Freyr sind wohl ein und diesselbe Gestalt.

Die Edda singt im „Skirnirlied“ von Freyrs Liebe zu Gerda: Eines Tages hatte sich der Sonnengott auf Odins Thron gesetzt, wurde aber für diese Überheblichkeit hart gestraft. Denn von dort erblickte er ein Mädchen von so wunderbarer Schönheit, dass Luft und Land vom Schimmer ihrer weissen Arme widerschienen und der Gott von leidenschaftlicher Liebe zu ihr ergriffen wurde. Doch er fürchtete, dass er Gerda nie würde gewinnen können, weil sie die Tochter des Meeres- und Wolkenriesen Gymir war, eines hartherzigen und gewaltätigen Mannes. Darüber fiel er in Schwermut, und als sein Vater Njörd sah, dass Freyr vor lauter Kummer die Versammlung der Götter mied, sandte er Skirnir, Freyrs treuen Gefährten, aus, um nach dem Leid seines Sohnes zu forschen. Freyr gestand dem Freund seine Liebe. Da bat Skirnir den Gott um sein Ross und sein Schwert und zog aus, um Gerda zu werben. Aber das Haus, in dem Gerda wohnte, umzüngelte die Waberlohe, jedoch Freyrs Ross trug Skirnir durch die Flammen hindurch. Ein Donnerschlag dröhnte, das ganze Gebäude erbebte, als der Götterbote zu Gerda eintrat, doch er warb vergeblich um sie. Weder mit elf goldenen Äpfeln, noch mit dem herrlichen Odinsring Draupnir konnte er sie gewinnen. Erst als er drohte, ihren Vater zu töten und ihr selbst durch einen gewaltigen und furchtbaren Zauberfluch alles Lebensglück zu nehmen, fügte sich die Widerspenstige. Nach neun Nächten, so versprach sie dem Skirnir, wolle sie im Haine Barri, den noch nie eines Menschen Fuss betreten hatte, des Gottes warten. Endlos lang schienen Freyr diese neun Nächte, aber als sie vorüber waren, gewann er Gerda.

Doch sein Schwert erhielt er von Skirnir nicht zurück, und darum wird dem Friedensgott am Tage der Götterdämmerung seine Waffe fehlen !!!

Freya – Frigga – Syr – Menglöd

Freya, die Tochter Njörds, wurde, obgleich Wanin, im Glauben vieler germanischer Völker mit der himmlischen, asischen Frigga zu ein und derselben Gestalt verschmolzen. Sie erscheint uns unter mancherlei verschiedenen Namen. Ihr Urwesen aber ist das einer Erdgöttin, die mit dem Himmelsgott Odin vermählt die Welt lenkt, und wohl erst in späteren Zeiten hat man in ihr eine jungfräuliche Gottheit der Liebe und des Frühlings gesehen. In einer alten Sage heisst diese Göttin Syr, und es wird von ihr erzählt, sie habe keinem Mann ins Angesicht schauen wollen und sich selbst geschworen, nur dem ihre Hand zu geben, der sie dazu bewegen könne, ihre Augen zu ihm aufzuheben. Der weise Odur aber, hinter dem sich vielleicht kein Geringerer als Odin selbst verbarg, liebte Syr. Ein Riese raubte sie, Odur befreite das Mädchen, doch vergebens bat er um einen Dankesblick von ihr. Die Göttin geriet in die Gefangenschaft eines alten Waldweibes, dessen Ziegen sie hüten musste: wieder erlöste sie Odur, und wiederum verweigerte sie ihm einen freundlichen Blick. Da verliess er die Spröde. Das gefiel ihr aber garnicht. Halbnackt und hungrig kam sie zu dem Haus, in dem Odurs Mutter wohnte, und bat um Aufnahme. Die Mutter sah wohl, dass diese Bettlerin keine Geringgeborene war, und liess sie ein. Bald kam Odur und traf alle Vorbereitungen für ein Hochzeitsfest, das er aber mit einer anderen Frau feiern wollte, doch nur zum Schein. Bei dem Fest musste dann Syr eine Fackel tragen. Dabei bemerkte sie nicht, dass die Fackel heruntergebrannt war und ihr die Hand zu verbrennen drohte. Odur aber bat das Mädchen, sie möge ihre Hand schonen. Da blickte Syr endlich zu ihm auf, wurde seine Gattin und …

Der Rest der Sage ist uns nicht erhalten. Es scheint, dass Odur seine Frau eines Tages verliess, ohne zu sagen, wohin er gehe, und dass sie lange um ihn geweint hat. Sie machte sich schliesslich auf die Suche nach ihm und fand ihn in einem fernen südlichen Land wieder. Als die Blumen blühten und die Vögel sangen, kehrte sie mit ihm in die nordische Heimat zurück, als eine Göttin des wiederkehrenden Frühlings.

Man kann das vermuten, weil in der Edda eine ähnliche Sage zu lesen ist von der Heimkehr aus der Fremde. Da heisst Freya nicht Syr, sondern Menglöd, ihr Geliebter ist Swipdager, der Tagförderer. Menglöd erwartet ihren Bräutigam in einem Schloss, das von grimmigen Hunden bewacht wird und von Waberlohe umgeben ist. Da gewahrt ihr Wächter Fjölsvider, der Vielwisser, einen Fremdling, der sich der Burg nähert, und befiehlt ihm, sich zu entfernen. Doch der Wanderer fragt kühn, wie er in die Burg gelangen könne. „Die öffnet sich nur für Swipdager, den erwarteten Bräutigam“, erwidert Fjölsvider. Da gibt sich der Wanderer als der Erwartete zu erkennen. Freudig nimmt Menglöd ihn auf, und von nun an werden sich die Liebenden nie mehr trennen.

 

Die Asen – Götter der Germanen

Aus den Schnurkeramikern waren die Streitaxtleute, die fast rein nordischer Rasse zugehörten, hervorgegangen. Obwohl sie in ihrer Lebensweise und in ihrem kulturellen Ausdruck sehr viele Ähnlichkeiten mit den fälischen Grosssteingräberleuten zeigten, hatten sie einen anderen Götterhimmel als die Megalithiker entwickelt. Ihre Götter, die in der Edda „Die Asen“ genannt werden, können hier nicht ausführlich beschrieben werden, das gewaltige Gedankengebäude, das dieser Teil unserer Vorfahren errichtete, würde ganze Bände füllen. Um aber die Unterschiede zu den Wanengöttern aufzuzeigen, seien hier zusammenfassend einige Grundzüge des Asen – Glaubens beschrieben:

Ein ewig Weltbewegendes, das vor der Schöpfung da war und nach der Götterdämmerung noch da sein wird, das manchmal „Allvater“ heisst, doch eigentlich namenlos ist, von namenloser Grösse ist, lässt sich zwar nicht völlig erfassen, aber doch ahnend „schauen“. Dieses erste Bewegende liess die Welt aus dem Nichts werden und gab ihr ein Schicksal, das den Nornen bekannt ist. Es setzte auch die Götter ein. Diese leben zuerst in der Ur-Unschuld. Sie schaffen die Menschen, doch sind sie selbst von menschlicher Art, somit ein Traum des Menschen über seine eigene Begrenzung hinaus. Sie üben die ewige Gerechtigkeit. Sie leben in einem himmlischen Glück, das auch jenen Sterblichen zuteil wird, die es erkämpft und damit verdient haben. Es gibt in der Weltordnung eine Unterwelt, in der die Ruhmlosen zu Schatten verblassen, die Bösen gestraft werden. Und Strafe trifft endlich sogar die Götter selbst, weil sie geschworene Eide angeblich brachen. Sie gehen unter im Götterdämmerungskampf. Doch dieser bringt keine Vernichtung, sondern Erneuerung. So rundet sich der Schicksalskreislauf.

Unter den Göttern ist einer der grösste: Odin (Wotan). Er weiss unendlich viel, doch nicht alles. In seinem stetigen Suchen nach Wahrheit ist der mächtigste auch der menschlichste der Götter. Er ist König und wird Heerführer im letzten Kampf. Er ist Erfinder der Dichtkunst und wird zum Seher, der das eigene Ende schaut. Dieser sterblich-unsterbliche Held der Krieger und Dichter ist umgeben von anderen Gewaltigen, in deren Wesen sich die Schöpfung vielfach spiegelt. Neben Thor, dem Vorbild des kämpfenden Mannes, oder Freya, der Ur- und Erdmutter, stehen Loki, der An-sich-Böse, Baldur, der An-sich-Reine, oder Njörd, der Meeresgott, Skadi, die Berggöttin, Bragi, der Sänger, Forseti, der Richter, Heimdal, der Wächter, Hermodur, der Götterbote und Hödur, der Blinde. Neben Gedankengöttern, wie es die Raben Hugin und Munin, das heisst Rat und Gedächtnis, sind, leben Wassermädchen und Steinriesen. So gibt es, ähnlich wie in der griechischen Mythologie, Seelenwesen und Naturgeschöpfe, und es entsteht jenes vielgestaltige Bild göttlichen Lebens, das sich wie sein irdisches Spiegelbild in keine Formel fassen lässt.

Zwölf strahlende Schlösser haben sich die Asen in Asgard erbaut, eines für jeden der grossen Götter. Das schönste darunter heisst Gladsheim, das Glänzende. Gewaltige Speerschäfte bilden die Dachsparren dieses Schlosses. Es ist mit Schilden gedeckt und sein Inneres schmücken kunstvolle Waffen. In der Halle stehen zwölf goldene Hochsitze. Dieses Schloss heisst auch Walhalla, das heisst „Halle der Erwählten“, denn dort versammelt Odin alle Helden, die ruhmvoll im Einzelkampf gefallen sind: Die Einherier. Durch den Kuss der Walküren wurden sie zum ewigen Leben wiedererweckt und von Frigga selbst mit dem Willkommenstrunk empfangen.

Tyr nimmt die anderen Edlen, die zwar nicht im Einzelkampf, doch ebenfalls im Kampf um das Gute gefallen sind, in sein Schloss Folkwang. Thor geleitet die Freien in seine Burg Thrudheim, das Vaterland der Kraft. Auch in Asgards Gefilden üben sich die Helden täglich im Kampf, denn der Tag der Götterdämmerung wird kommen, an dem die Asen aller Streiter bedürfen. An jedem Morgen ziehen sie zum Gefecht aus und lassen nicht ab, bis ein jeder von Ihnen tödlich verwundet ist. Dann aber erwachen sie zu neuem Leben und versammeln sich zu frohem Mahl in den festlichen Himmelshallen.

Das göttliche Sein und Werden wird ergänzt durch die Heldensagen. Der nie ganz gelöste Zusammenhang zwischen Götter- und Menschenwelt lehrt den Germanen, beide Welten besser zu verstehen. Berichtet wird von den Tugenden, von Treue und Tapferkeit, durch die Helden und Heldinnen Unsterblichkeit gewinnen, freilich auch von Verbrechern und Rachetaten, die sich durch ihre ungeheuerliche Unmenschlichkeit dem Gedächtnis der Menschen einprägten. Wundervolle Werbungssagen erzählen von leidenschaftlicher Liebe, und oft findet solche Liebe himmlischen Lohn. Es gibt im Glauben der Germanen einen Ort, an dem Liebende, die das Leben getrennt hat, ein ewiges Glück finden.

So ungefähr lässt sich in grossen Zügen das Bild des Asen – Glaubens umreissen, einer Religion, in der die Natur und das Menschliche vergöttlicht werden und die ewigen Fragen nach Anfang und Ende, nach Recht und Unrecht, nach Tod und Unsterblichkeit zu beantworten versucht werden. Im Gegensatz zum Wanenkult, der mehr das Handgreifliche, Sichtbare und Erlebbare zum Gegenstand seines Glaubens hat, findet im germanischen Asenglauben eine vorwiegend geistige Auseinandersetzung mit den uns umgebenden Mächten statt.

Der Krieg

Zwischen Asen und Wanen hatte einmal ein Krieg gewütet, der Asen-Wanen-Kampf, von dem manche sagen, dass wir weder den Anlass noch den Verlauf kennen. Es gibt aber in der Edda einen Hinweis, wie der Krieg entstanden ist. In „Der Seherin Gesicht“, 15, heisst es:

„Da kam zuerst Krieg in die Welt, als Götter Gullweig mit Geren stiessen und in Heervaters Halle brannten, dreimal brannten die dreimal Geborne“. Und in 18 heisst es: „Den Ger warf Odin ins Gegnerheer, der erste Krieg kam in die Welt; es brach der Bordwall der Burg der Asen, es stampften Wanen streitkühn die Flur“. Was will uns das sagen?

Betrachten wir zuerst die historischen Tatsachen, dann die mythologische Umsetzung:

Bekanntlich hatten sich am Ende der Steinzeit, zu Beginn der Bronzezeit, um 2000 v.Ztdw. also, im Norddeutschen Raum zwischen Weser, Elbe und Oder und in Thüringen aus den Nachkommen der indogermanischen Schnurkeramiker das Volk der Streitaxtleute gebildet. Die wachsenden Bevölkerungszahlen, aber auch die der nordischen Rasse angeborene Unternehmungslust führten im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu einer immer grösseren Ausbreitung dieses Volkes in alle Richtungen. Das ergab zwangsläufig Zusammenstösse mit der in den eroberten Gebieten ansässigen Urbevölkerung. Nach Süden und Südwesten hin war das kein Problem, die hier wohnenden Vor-Kelten wurden unterworfen oder vertrieben. Als die Streitaxtleute aber entlang der Elbe nach Norden und Nordwesten, in die Gebiete der Grosssteingräberleute bzw. deren Nachkommen vorstiessen, ergaben sich ungeahnte Schwierigkeiten, denn hier fanden die vordringenden Streitaxtleute eine Bevölkerung fälischer Rasse, die ihnen mindestens gewachsen, teilweise sogar überlegen war. Dem schweren fälischen Typus ist die Bodenständigkeit, das zähe Festhalten am einmal als richtig Erkannten zu eigen. Ausserdem besitzt er ein beachtliches Durchsetzungsvermögen und seine Körperkräfte sind beeindruckend. Das waren zwar keine unüberwindlichen, aber doch erhebliche Hindernisse für die leichteren, wendigeren Eroberer nordischen Rassetyps. Eine lange Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen begann. Zimperlich war man nicht.

eben. Aus archäologischen Bodenfunden wissen wir, dass dort, wo die Nordischen erfolgreich waren, sie z.B. die noch in Gebrauch befindlichen Grosssteingräber einfach übernahmen, die Bestatteten hinauswarfen und nun ihre eigenen Toten in den Hünengräbern begruben.

Waren die Kämpfe zunächst auch sehr heftig, so erkannten beide Parteien doch allmählich, dass sie einander ebenbürtig waren und es sich in Frieden miteinander wohl besser leben liess. Ein Friedensvertrag wurde geschlossen und, wie nach damaliger Sitte üblich, Geiseln ausgetauscht.

Der Krieg führte aber auch zu einer geistigen Auseinandersetzung:

Sicherlich erkannten die wanenverehrenden Grosssteingräberleute, dass sie dem immer weiter nach Norden vordringenden Asenkult der Streitaxtleute auf Dauer nicht widerstehen konnten. Andererseits müssen irgendwann die asenverehrenden Streitaxtleute bemerkt haben, dass die wanischen Naturgötter der Grosssteingräberleute garnicht im Gegensatz zu ihren eigenen Anschauungen standen. Die Unterschiedlichkeit der religiösen Vorstellungen konnte also überwunden werden. Die Wanen, Toten- und Fruchtbarkeitsgötter der Megalithiker, söhnten sich durch den Friedensschluss mit den Asen aus und wurden nun von der Bevölkerung gemeinsam verehrt. In der Mythologie nahmen nun die Wanen am Opferschmaus der Asen mit teil, denn sie waren den Asen jetzt gleichgestellt. Für die Menschen bedeutete das, dass sie ohne Bedenken, je nach persönlicher Veranlagung mehr die lebensvollen Wanen verehren, oder sich mehr den durchgeistigten Asengöttern zuwenden konnten.

Auch die Götter selbst veränderten sich etwas:

So waren z.B. die Asen Odin und Thor bisher immer nur als Himmelsgötter aufgetreten. Jetzt wurden sie im Gegenzug auch als „Totenseelen, die mit den Winden die Lüfte durcheilen“, bezeichnet. Die Verschmelzung wanischer und asischer Vorstellungen mag darin sichtbar werden, bei der die vergöttlichten Ahnen der Grosssteingräberleute sich mit den himmlischen Gottheiten der Streitaxtleute vereint hatten. Statt zweier unterschiedlicher Kulte, des wanischen Fruchtbarkeitsmythus der Megalithiker und des mehr kriegerischen Asenkultes der Streitaxtleute, gab es nun eine gemeinsame Religion, in der Wanen und Asen gleichhoch geachtet und verehrt wurden. Das Fortwirken von Teilen der alten megalithischen Totenverehrung manifestierte sich in der folgenden Bronzezeit in gewaltigen Grabhügeln, der sorgfältigen Beisetzung in Baumsärgen, und den wertvollen Grabbeigaben. Häufig wurden auch auf den Deckplatten der alten Megalithgräber Nachbestattungen vorgenommen. Die Macht der wanischen Erdmutter, der „Grossen Mutter der Lebenden und Abgeschiedenen“ war auch in der Bronzezeit trotz der vorherrschenden Sonnenverehrung nicht erloschen. In einem Grabhügel aus dieser Zeit bei Beldorf im Kreis Rendsdorf kam ein aufrecht gestellter Menhir zutage, auf dem unverkennbar das Gesicht der grossen Göttin zu sehen ist. Davor lag eine Platte, auf der Näpfchen und eine Fusssohlenform eingearbeitet sind, gleich einem Altarstein. So thronte die Erdgöttin, auch Dolmengöttin genannt, umgeben von heiligen Zeichen auch damals noch unter der Erde in geheimnisvoller Verborgenheit.

Nach dem Krieg der asenverehrenden Streitaxtleute mit den wanenverehrenden Nachkommen der Megalithiker wurde der gemeinsame Friedensschluss zur Befestigung seiner Dauerhaftigkeit fortlaufend mythologisch verarbeitet.

Der Kriegsbeginn wurde so gedeutet:

Am Ende des von Wohlstand gezeichneten Zeitalters, in dem die wanenverehrenden Megalithiker sich an Nord-und Ostsee ausgebreitet hatten, kamen aus Riesenheim drohend die Nornen zu den Wanen. Sie kündigten den bevorstehenden Zusammenstoss mit den asenverehrenden Streitaxtleuten an. Die Wanen schickten zu den Asen eine Botin, eine wanische Zauberin namens Gullweig, was die „Macht des Goldes“ bedeutet. Durch sie kam die Gier nach Gold in die Welt. Gullweig bot sich den Asen als Besitz an, wenn sie von dem Krieg gegen die Wanen abliessen. Hochmütig lehnten die Asen ab, aber ihre Gier nach Gold war geweckt. Sie wollten von Gullweig wissen, was es mit den sagenhaften Goldschätzen der Wanen auf sich habe und wo diese zu holen seien. Gullweig verriet es aber nicht. Daraufhin durchbohrten sie die Zauberin mit ihren Speeren und verbrannten sie. Das taten sie dreimal, jedoch Gullweig und die „Gier nach Gold“ sind unsterblich – und daher werden sie jedesmal wieder neu geboren.

Mit Gullweig war noch eine andere Zauberin zu den Asen gekommen. Es war Heid, die „Habsucht“. Von ihr heisst es in Strophe 16:

„Man hiess sie Heid, wo ins Haus sie kam, das durchtriebene Weib. Sie wusste Künste, sie behexte Kluge und Toren. Immer verehrt wurde sie von argen Frauen.“

Und da nun die Asen nach den unermesslichen Schätzen der Wanen gelüstete, überfielen sie diesen Götterstamm. Das war der erste Krieg. Die Wanen gewannen jedoch die Oberhand und drangen in Asgard ein. „Es barst der Wall der Asenburg“, berichtet die Edda. Mit Mühe konnten die Asen sich gerade halten. Unentschieden.

Ein ewiger Friede wurde nun geschlossen. Asen und Wanen räumten sich gegenseitig gleiches Recht und gleiche Macht ein und schufen zum Zeichen dessen den weisen Zwerg Kwasir. Dann tauschten sie Geisseln aus. Die Wanen erhielten den allwissenden Riesen Mimir und Odins Bruder namens Hönir zum Unterpfand der Friedenstreue. Die Asen erhielten den Meeresgott Njörd und dessen beide Kinder, den leuchtenden Freyr und seine Schwester Freya, eine Göttin der Erde, deren Gestalt im Glauben späterer Geschlechter mit der himmlischen Frigga oder Freya, Odins Gattin, verbunden worden ist. Die Wanen gelangten unter den Asen zu hohem Ansehen und wurden ihnen völlig gleichgeachtet.

Die Wanen bekamen, wie erwähnt, von den Asen den Hönir und den Mimir. Die Wanen machten sogar Hönir, seiner Schönheit, seiner Macht und seiner vermeintlichen Weisheit wegen, zu ihrem König, bis sie entdeckten, dass seine weisen Entscheide bloss auf Mimirs Ratschläge zurückzuführen waren. Erbost töteten sie Mimir und sandten seinen Kopf an ihren Vertragspartner Odin, der ihn weiterhin zur Wahrsagerei benutzte.

Der Friede

Snorri Sturlusson berichtet:

Die Asen und die Wanen schlossen Frieden und zwar in folgender Weise:

Sie spuckten alle der Reihe nach in ein Fass. Damit dieses Zeichen des Friedens nicht mehr verloren gehe, bildeten sie daraus ein zwergenhaftes Wesen, das sie Kwasir nannten. Dieser Kwasir war sehr weise, und er teilte den Menschen sein Wissen mit. Zwei böse Zwerge aber, Fjalar und Galar, ermordeten ihn und fingen sein Blut in zwei Fässern und einem Kessel auf; dieser Kessel hiess Odrörir, ein Name, der zum richtigen Verständnis des Mythus von Bedeutung ist, denn er bedeutet tatsächlich „der das Gemüt bewegt“; ein sehr geeigneter Name für ein Getränk, das in einen Zustand der Euphorie versetzt.

Die Zwerge vermischten Kwasirs Blut mit Honig und erhielten so eine Art Met; jeder der von diesem Met trinkt, wird entweder ein Skalde (Sänger) oder ein Gelehrter.

Dann begingen die Zwerge ein weiteres Verbrechen. Sie töteten den Riesen Gilling, danach auch seine Frau, die laut über den toten Gatten klagte, weil sie deren Jammern nicht hören mochten. Gillings Sohn Suttung aber rächte den Vater und zwang die beiden, ihm den kostbaren Weisheitstrank als Wergeld abzutreten. Suttung versteckte den Trank an einem Ort namens Hnitbjörg und beauftragte seine Tochter Gunnlöd, darüber zu wachen. Odin, fast allwissend, erfuhr davon und nach Anwendung mehrerer Listen gelang es ihm, bis zu Gunnlöd vorzudringen. Er verbrachte drei Nächte bei ihr, wonach sie ihm gestattete, dreimal einen Mund voll Met zu trinken. Er aber leerte mit jedem Zug eins der drei Fässer, verwandelte sich dann in einen Adler und flog mit seiner Beute fort. So gelangten die Asen in den Besitz dieses begeisternden Wundertranks. Und darum heisst die Dichtkunst auch „Odins Fund“, „Odins Fang“, „Odins Gabe“ oder auch „der Asen Trank“. Soweit die Edda.

Wann hat der Asen-Wanen-Kampf stattgefunden?

Über den Zeitpunkt des Asen-Wanen-Kampfes gibt es mehrere Theorien. Fangen wir mit der ausgefallensten an. Demnach soll der Asen-Wanen-Kampf noch „täglich“ stattfinden und zwar in uns selbst. Er soll nichts anderes sein, als der Kampf unserer animalischen Triebe mit unserem Geist, unserem Verstand. Diese Auffassung wurde Anfang dieses Jahrhunderts veröffentlicht, zu einer Zeit, als die Psychoanalyse gross in Mode war, und sie ist sicherlich von daher zu erklären. Nun ja – die Psychologen liefern gelegentlich Unterhaltsames, wird jetzt der eine oder andere denken.

Auch die Auffassung, der Asen-Wanen-Kampf habe etwa um 800 bis 1000 nach der Zeitwende, kurz vor der gewaltsamen christlichen Missionierung, zur Hochblüte germanischen Glaubenslebens, gewissermassen als dichterisches Ereignis, bar jedes historischen Hintergrunds stattgefunden, ist nicht haltbar. Aus den entsprechenden Stellen der Edda geht eindeutig hervor, dass der Krieg tatsächlich stattfand, und zwar schon sehr lange zurückliegend.

In sehr alter Zeit muss also der Asen-Wanen-Kampf stattgefunden haben. Dafür gibt es Hinweise nicht nur aus der Mythologie, sondern auch aus der Kulturgeschichte und vor allem aus der Archäologie:

Die Verwendung von Speichel als Bestandteil des Göttertranks ist zweifellos ein uraltes, mytholigisches, somit kulturelles Motiv. Nur auf noch recht niedrigen Zivilisationsstufen wurde Speichel als fermenthaltiger und daher gärungauslösender Stoff verwendet, und dies ist wohl die Erklärung für das sonst unverständliche „Speien“ der Asen und Wanen. Es ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Asen-Wanen-Kampf in grauester Vorzeit stattgefunden haben muss, als nämlich das Speien in einen Kessel zur Auslösung der Gärungsvorgänge noch bekannt und wohl auch üblich war, während es im Mittelalter nicht mehr in Gebrauch war.

Auch der altnordische Name Kwasir kann zur ungefähren zeitlichen Bestimmung herangezogen werden. Er erinnert an ein gegorenes Getränk bei anderen Indogermanen, den Slawen, das dort „Kwass“ heisst. Dieses Wort muss also bereits zu vorgermanischer Zeit, vor 2000 v.Ztw., gebräuchlich gewesen sein.

Auch die Sprachforschung kann einen Beitrag zum Asen-Wanen-Kampf leisten. Einige Forscher behaupten, dass die Grosssteingräberleute den Indogermanen nicht zugerechnet werden dürfen. Da sie an den Küsten wohnten, waren sie mit der Seefahrt bestens vertraut und hatten natürlich für die mit der Seefahrt zusammenhängenden Dinge feste Begriffe und Wörter. Die Streitaxtleute dagegen kamen aus den Wäldern des Binnnenlandes, Begriffe und Worte für Dinge der Seefahrt hatten sie nicht, da sie ja keine Seefahrt betrieben. Da sich nun aus dem Indogermanischen keinerlei Ausdrücke, die mit der Seefahrt zusammenhängen, ableiten lassen, nehmen manche Forscher an, dass nur die Streitaxtleute als Indogermanen angesehen werden dürfen, die Grosssteingräberleute hingegen nicht. Nach dem Ende des Asen-Wanen-Kampfes allerdings übernahmen die Streitaxtleute sehr schnell die von den Grosssteingräberleuten verwendeten Seefahrtsbegriffe in ihre Sprache. Das ist ab etwa 2000 v.Ztw. nachweisbar.

Die Vorgeschichtsforschung schliesslich kann uns den in Betracht kommenden Zeitraum des Asen-Wanen-Kampfes mit grosser Sicherheit angeben. Wie dargestellt, handelte es sich um den Zusammenprall zweier im „Nordischen Kreis“ lebenden Kulturen. Den Bodenfunden nach drangen etwa gegen 2500 v.Ztw. entlang der Elbe die kriegstüchtigen Streitaxtleute aus den Wäldern des Binnenlandes in immer grösserer Zahl in die Gebiete der friedlichen Grosssteingräberleute an den Meeresküsten vor. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden ist archäologisch in Schleswig-Holstein am besten zu erkennen: Zerstörung der Totenhäuser und Belegung derselben mit den eigenen Verstorbenen, Verdrängung der Bevölkerung und Unterjochung der Zurückbleibenden. Die eingefallenen Streitaxtleute durchdrangen allmählich den gesamten „Nordischen Kreis“. Die anfangs kriegerischen Auseinandersetzungen wichen später einem friedlichen Zusammenleben beider Völker. Aus ihrer Verschmelzung ging ein neues Volk hervor – die Germanen. Der „Nordische Kreis“ erlebte nun 3000 Jahre lang, bis zum Vordringen des jüdischen Christentums, keinen Einbruch einer fremden Kultur mehr, der seine Eigenart umgewandelt hätte. Er breitete sich im Gegenteil, nachdem er zu seinem völligen inneren Ausgleich während der Bronzezeit gelangt war, bald kräftig aus.

Erst in unserer Zeit, unter Regierungen, die teils wissentlich, teils aus Ahnungslosigkeit unser germanisches Erbe verraten, strömen Völker aus aller Welt in diesen „Nordischen Kreis“, was dessen Zerstörung bedeuten wird – wenn wir uns nicht mit aller Macht dagegen wehren!

Was kann der Asen-Wanen-Kampf uns heutigen Menschen sagen?

Die Beschäftigung mit diesem so weit zurück liegenden Ereignis erschliesst uns nicht nur verschiedene Blickwinkel unserer Herkunft, beginnend mit den ersten Spuren unserer Menschenart, sondern auch unserer Geschichte, Mythologie und Religion. Für unsere Gegenwart beispielhaft könnte die Art und Weise sein, wie unsere Ahnen den Krieg beendeten. Als sie erkannten, dass sie einander ebenbürtig waren, schlossen sie Frieden. In die jüngste Vergangenheit übersetzt heisst das z.B.: Auch zwischen England und Deutschland, zwei ebenbürtigen Völkern, wäre im 2. Weltkrieg ein Friede möglich gewesen, wenn nicht in unseren Lebensraum eingedrungene Orientalen alles daran gesetzt hätten, dies zu verhindern. Da hatten es unsere Ahnen einfacher. Fremdlinge wurden der Zersetzung wegen, die allein von ihrem Vorhandensein ausgeht, instinktiv nicht in den eigenen Reihen geduldet. Friede ist unter ebenbürtigen Gegnern immer möglich, wenn diese nicht von Dritten gegeneinander gehetzt werden.

Auch zwei verschiedene Religionen können durchaus nebeneinander bestehen, ja sogar zu einer einzigen verschmelzen, wenn sie sich in den Grundprinzipien nicht widersprechen und wenn sie sich gegenseitig achten können. Zur Zeit des Asen-Wanen-Kampfes trafen diese Voraussetzungen zu, heute ist das ganz anders. Derzeit haben wir es in unserem eigenen Land mit dem Islam, der mosaischen Religion und dem davon abstammenden Christentum zu tun. Alle drei erheben einen Ausschliesslichkeitsanspruch, den das Heidentum von seinem Wesen her nicht erhebt. Alle drei behaupten, „alleinseeligmachend“ für alle Völker der Welt zu sein. Man könnte darüber lachen, wenn nicht alle drei ihre Vorstellungen mit „Feuer und Schwert“ allen Menschen dieser Erde aufzwingen wollten. Für den Muslim sind die Ungläubigen „Hunde“, die bei Weigerung der Annahme des Islam ohne weiteres getötet werden dürfen. In einem „heiligen Krieg“ wollen die Fundamentalisten unter ihnen den Willen ihres Gottes, den natürlich nur sie kennen, durchsetzen.

Die Bestialitäten, die das Judentum zur Festigung seiner Macht zunächst in Palästina begangen hat und heute wieder begeht, lassen sich im „heiligen Buch“ der Hebräer nachlesen. Da werden von König David ohne mit der Wimper zu zucken die Heiden lebend unter Sägen gelegt und zerstückelt, Männer, Frauen und Kinder in Ziegelöfen lebendig verbrannt und dergleichen mehr (2.Samuel 31). Ihr Gott, der gleiche Jehova, den die Christen anbeten, befiehlt ihnen an vielen Stellen ihres „heiligen“ Buches, missliebige andere Völker auszurotten, was sie bedenkenlos auch tun. Heute arbeitet man subtiler. Es hat sich als wirksam erwiesen, den Völkern die Identität zu zersetzen und das „Ferment der Dekompostion“, wie Goethe schrieb, hat es darin zu wahrer Meisterschaft gebracht. Vor allem hat es sich der Einfältigen und der Verräter unter uns versichert, leider ist deren Zahl nicht gering.

Das Christentum ist ebenfalls mit unvergleichlicher Brutaltät durch Ströme von Blut gegangen um seine primitive und den Leistungsmenschen unserer Art entwürdigende „Religion der Liebe“ den Völkern gewaltsam aufzuzwingen. Jetzt endlich laufen ihm unsere Menschen in Scharen davon, es erhält die verdiente Quittung. Niemand aber sollte meinen, diese Religion könnte leicht überwunden werden. Denn ihr Fundament ist die Dummheit, was die Kirchenväter, oberste Instanzen immerhin, ausdrücklich bestätigen, und es wird noch lange dauern, bis alle unsere Menschen so aufgeklärt sind, dass sie diesem Unsinn nicht weiter nachlaufen.

Die drei genannten Religionen sind für uns nicht Gegner mit denen man sich versöhnen könnte. Sie sind für uns Feinde! Jeder Heide sollte sich das einprägen! Verhandlungen mit diesen Feinden gibt es nicht, es darf sie nicht geben, wenn wir unsere eigene Identität behalten wollen! Gegnern gegenüber kann man sich, wenn man tüchtig ist und etwas Glück hat, einen wie auch immer gearteten „Freiraum“ erkämpfen. Wer aber mit Feinden wie diesen, verhandelt, verrät. Eine Einigung, gar eine Verschmelzung wie nach dem Asen-Wanen-Kampf, ist mit diesen dreien nicht möglich. Man stelle sich doch einmal vor: Christus und der „heilige Geist“ im Asenhimmel – eine Beleidigung unserer Götter und damit unseres eigenen Wesens.

Noch Schlimmes steht uns bevor. Derzeit bastelt eine „Expertenkommission“ unter Federführung des Weltkirchenrates an einer für die gesamte Menschheit verbindlichen Religion – diese wird uns nicht unvorbereitet vorfinden…

Die wichtigste Lehre aber, die wir aus dem Asen-Wanen-Kampf ziehen können ist die, sich niemals wieder in Kriege mit unseren germanischen Brudervölkern verwickeln zu lassen. Wenn wir z.B. den amerikanischen Bürgerkrieg betrachten, bei dem sich zwei Armeen weisser Menschen für die Interessen der Neger zerfleischten, so müssen wir dieses Geschehen als ein sehr schweres Verbrechen an unserer eigenen Menschenart ansehen. Gleiches gilt für die beiden Weltkriege, die unserer Menschenart nur ungeheure Verluste brachten, unseren Feinden aber Tür und Tor öffneten. Diese Bruderkriege dürfen nie wieder stattfinden, sie zu verhindern muss uns jedes Mittel recht sein!

Der Asen-Wanen-Kampf möge uns im Gedächtnis bleiben. Er war nicht vergebens, wenn wir unsere Lehren daraus ziehen. Vergessen wir nicht – die Kinder dieses Krieges sind wir.

Dr. Wielant Hopfner