Ich hätte gerne ein neues, grosses, schnelles Auto. Und eine neue Stereoanlage. Ach ja, und Urlaub auf den Seychellen wäre auch nicht schlecht. Mensch, dann wäre ich glücklich, dann wär alles okay. Oder?

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Was sind unsere Ziele im Leben? Was wollen wir eigentlich? Was macht uns wirklich glücklich? Warum sind wir hier? Dies sind Fragen, die sich wohl jeder früher oder später stellt. Die Antworten sind nicht einfach zu finden, aber es gibt in unserer Kommunikations- und Kommerzgesellschaft genügend Angebote, die versprechen mit der Antwort zu helfen (nicht immer ganz uneigennützig).

Eine mögliche Antwort ist die oben gegebene materialistische Konsumantwort. Das Leben soll Spass machen (Hedonismus) und Spass hat man durch den Konsum materieller Dinge. Materialismus ist das Folgeprodukt politischer und wissenschaftlicher Strömungen. Existieren tut nur das, was sich auch greifen lässt. Alles andere ist „Opium fürs Volk“ oder „wissenschaftlich nicht beweisbar“.

Wieder andere stürzen sich in die Arbeit oder in ein Hobby. Manche Menschen fangen aber irgendwann einmal an zu „suchen“ und zu „horchen“. Es muss doch mehr geben. Und es gibt mehr. Alle Kulturen und Gesellschaften hatten Rituale und Wege mit diesem „mehr“ in Verbindung zu treten.

Oft besteht dies in einer „Rückbesinnung“ auf die Werte und Formen der christlichen Kirche. Seit den sechziger Jahren sind die östlichen Pfade auch sehr populär geworden. Zen, Hinduismus und in letzter Zeit auch Islam finden immer mehr Freunde. Komischerweise suchen die meisten Menschen also in der Ferne, nicht bei ihren eigenen Wurzeln. Um sich selbst zu erkennen und auf eine Weise zu leben die „passt“, ist es am einfachsten, man schaut was im eigenen Umkreis passiert ist, bevor mit Christentum und Industrialisierung die Welle der Entfremdung begann. Nach einigem Graben stösst man dann auf Asatru, auch Odinismus genannt – und, wie C.G. Jung sagt, das Wasser findet das alte Flussbett und viele Sachen passen plötzlich zusammen und machen wieder Sinn.

Was heisst das: Asatru/Odinismus?

Asatru ist ein skandinavisches Wort und bedeutet „Treue zu den Asen“. Die Asen stehen hier als pars-pro-toto fuer alle Götter der germanischen Urreligion. In alten Zeiten war es nicht notwendig einen Namen fuer die Religion zu haben, da die Menschen und die Götter eng zusammen lebten. Erst mit der Einführung „neuer“ Götter begann die Entfremdung und Differenzierung, die dazu führte, dass die germanische Religion eine von vielen wurde und damit eine Bezeichnung brauchte. Wir wissen nicht wie unsere Vorfahren ihren Glauben nannten. Skandinavische Wissenschaflter schufen im 19ten Jahrhundert den Begriff „Asatru“ (zu deutsch: Asentreue). Eine Person die Asatru lebt, heisst daher Asatruar oder Asatruer.

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Oft wird der Begriff Odinismus synonym mit Asatru verwand. Dies ist sicherlich zulaessig um nicht unnoetig weit ausholen zu muessen, da Odin / Wotan von vielen als Haupt-Gott der germanischen Götterwelt erkannt wird. Allerdings sollte man sich der Gefahr bewusst sein, dass Odinismus von manchen Leuten durch hässliche politisch-motivierte Beilagen von Asatru unterschieden wird. Politisch motivierte Personen missbrauchen oft die germanische Religion unter dem Namen Odinismus (dies gilt vor allem fuer Gross-Britannien und die USA). Diesen Leuten geht es nicht um Religion, sondern um die Suche nach Macht und einem Selbstwertgefühl, das auf sehr ungesundem, politischen Boden wächst. Asatru distanziert sich klar von diesen politischen Ideen. Asatru ist Religion, nicht politisches Programm.

Welches sind die Grundelemente von Asatru?

Da in alten Zeiten die Religion nicht zentral definiert war und auch nicht sein sollte, sehen wir heute lange Diskussionen um ihre Bedeutung. Grundsaetzlich kann man zwei Lager erkennen: Den rekonstruktiven Ansatz und den anachronistischen. Anachronisten wollen wieder so leben wie die Wikinger im 9ten Jahrhundert: Hütten ohne Heizung, kein Fernsehen, null Plastik, etc. Rekonstruktionisten nehmen die Werte der Religion und erkennen an, dass die Zeiten und Sitten vorangeschritten sind. Grundsätzlich muss man daher einen Kern von Werten und Formen in der Religion identifizieren, der zeitlos ist und damit von jeder Generation neu eingekleidet werden muss.

Eine Art diesen Kern zu bestimmen geschieht durch folgende vier Grundelemente:

  1. die Götter und Wesenheiten
  2. die Feste und Stätten
  3. das Alltagsleben, die Ethik
  4. die historisch-archäologische Revitalisierung.

In den Artikeln der folgenden Monate werden diese vier Grundelement Stück für Stück etwas eingehender betrachtet. Praktische Informationen für Feste und den Bau von Stätten, sowie Hintergrundinformationen zur heidnischen Weltanschauung und ihrem Wertesystem, welches Entscheidungshilfen im Alltag liefert, werden behandelt.