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Ich unternehme es daher, für das erste Drittel des 20. Jahrhundert diese Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung unseres Bewußtseins nachzuzeichnen, welche unsere Dichter und Seher selbst ausgedrückt, gestaltet und dargelebt haben.

Dem Versuch, dem 3. Band von Heimkehr zum Artglauben einen entsprechenden Fortgang und eine ebenso zustimmende Ergänzung zu schaffen, sei vorangestellt der Dank an alle Freunde und gefährten der Artbewegung, welche mit soviel Arbeit und innerem Einklang die Ausführungen von Meister Ekkehart bis Friedrich Nietzsche verfolgt und belohnt haben. Aus fast allen Völkern, die zum nordentstammten bereich gehören, ist mir Freude und Begeisterung dafür zuteil geworden, daß ich den Spuren eines Vorganges nachgegangen bin, die unsere Seele auf dem Wege zum Selbstbewußtsein und zur Eigenbesinnung auf unsere letzten Werte und schließlich zur vollen Erkenntnis unserer gemeinsamen religiösen bestimmung geführt haben.
Ich unternehme es daher, für das erste Drittel des 20. Jahrhundert diese Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung unseres Bewußtseins nachzuzeichnen, welche unsere Dichter und Seher selbst ausgedrückt, gestaltet und dargelebt haben. Der jetzigen jüngeren Generation ist kaum noch die Fülle bekannt, mit der uns bis 1933 die Wortgestalter unserer Völker beglückt und die deutlich das immer klarer werdende Bild eines neuen Glaubens -der uralt in unserer Menschenart ist- dargestellt und vollendet haben. In Leben und Tod haben sie den neuen und uralten Glauben unserer Art verewigt, in Tapferkeit und Hingabe haben sie ihn verwirklicht und als bleibendes denkmal ihrer Gesinnung und Tat für uns bewahrt und uns zur Verwirklichung für eine bessere Zukunft übergeben. Diesem Rufe folgen wir: die für uns gestorben sind, sind nicht tot, solange ihr Vermächtnis in uns lebt!
Berlin-Lichterfelde-West, Sonnenwende 1975
Dr. Wilhelm Kusserow
Vorwort zur 2. Auflage
Die erste Auflage erschien in der Vorankündigung mit dem Untertitel „von Nietzsche bis 1933, wurde dann ausgeliefert mit dem Titel „im 20. Jahrhundert“. Tatsächlich wurden allerdings Schriftsteller, Dichter und Ereignisse nach 1933 so gut wie gar nicht erwähnt. Anscheinend hatte Dr. Kusserow Sorge, daß die Erwähnung von Dichtern und Schriftstellern, die nach 1933 ihre Werke veröffentlicht hatten, zu gehässigen Angriffen hätte führen können.Den Roman „Röde Orm“, der 1941 erstmals in Schweden erschien, und der in den 50er Jahren ins Deutsche übersetzt wurde, erwähnt er nämlich, aber nicht die zahlreichen Dichter und Schriftsteller, die Bedeutung im Dritten Reich hatten. Eine solche Übervorsichtigkeit wäre nicht notwendig gewesen; Ernst Jünger beispielsweise hat Adolf Hitler 1926 sein Buch „Feuer und Blut“ mit der handschriftlichen Widmung „dem nationalen Führer“ übersandt, und Agnes Miegel hat ein begeistertes Gedicht auf Hitler geschrieben, und trotzdem wurden beide mit einer Briefmarke in der Bundesrepublik geehrt. Entscheidend ist nicht, was für politische oder zeitbezogene Äußerungen der eine oder andere Dichter oder Schriftsteller gemacht hat, sondern ob ein Werk, das er uns hinterlassen hat, uns anspricht und etwas zu sagen hat oder nicht.
Ferner hatte Dr. Kusserow eine besondere Beziehung zu Dichtern, und dies ist besonders in der Erstauflage deutlich in der Setzung der Schwerpunkte zu sehen. Dabei schätzte er besonders Rainer Maria Rilke und Stefan George, den er für den größten Dichter dieses Jahrhunderts hielt. Beiden Dichtern hat er je zwei ganze Kapitel gewidmet. Die beiden Rilke-kapitel habe ich vollständig wegfallen lassen, ebenso ein George-Kapitel; das andere George-kapitel wurde zu einem Abschnitt zusammengestrichen. Rilke hat sich zwar im Laufe seines Lebens vom Christen zum Nichtchristen gewandelt, hat dies aber nicht in der Öffentlichkeit verlauten lassen und auch nicht in seinen Gedichten offen angesprochen; er wollte auf gar keinen Fall insoweit Anstoß erregen, wie er in einem Schreiben erklärt hat. darüber hinaus hatte er eine verkrampfte Beziehung zu Frauen.Dasselbe war bei George der Fall, bei dem viele Dichtungen homoerotisch geprägt sind, und der mit seinem Manierismus eheer als Gegenbeispiel für nordische Gedichtformen gelten kann. Wenn Dr. Kusserow auch seine Doktorarbeit über das Verhältnis von George zu Nietzsche geschrieben hat, welche Arbeit vom jüdischen Sekretär Gundolf des George „günstig beurteilt“ wurde, worauf Dr. Kusserow stolz war, reicht eine Zeile, wo Apoll an Baldur lehnt, und eine andere, die sich gegen wahllose Vermischung ausspricht, nicht, ihn zu einem „Dichter unserer Art“ zu erheben.Auch ist es eher quälend, lange Ausführungen darüber zu lesen, warum der Begriff „Gott“ in einem späten Gedicht von Rilke nicht den christlichen Gott bedeutet, wenn wir anderes haben, nämlich heidnische Dichter klarster Aussage. Zu nennen sind hier insbesondere Otto Bangert, dann Lothar Stengel von Rukowski, Ilse Arnheiter mit ihren Balladen über die Bekehrung, Kurt Eggers mit der Begründung einer neuen Ethik u.v.a., wozu auf den in dieser Reihe erschienenen Band „Heidnische Gedichte“ zu verweisen ist. Wenn diese Dichter nicht einmal mit einer Zeile gewürdigt werden, müßte das Herausstellen von Rilke und George den falschen Eindruck erwecken, als hätten die artgläubigen Heiden in Deutschland nichts besseres vorzuweisen.
Bezüglich der Dichter bekommt der Leser einen guten Überblick durch den von mir zusammengestellten Band „Heidnische Gedichte“. Bezüglich der Schriftsteller und der anderen Gebiete sind umfangreiche Angaben in den Werken von Armin Mohler: „Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Grundriß ihrer Weltanschauung“ (1. Auflage 1950) und von Hans-Jürgen Lützhöft: „Der nordische Gedanke in Deutschland 1920-1940“ (Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1971) enthalten.
Leider fehlen selbst unverdächtige Schriftsteller wie Ehm Welk, der vor 1933 und nach 1945 Kommunist war, sich 1933 mit Goebbels anlegte und bis 1937 Schreibverbot erhielt, dann aber das Buch „Die Heiden von Kummerow“ erscheinen lassen konnte (gewürzt mit köstlichem Humor, viel besser als die Don Camillo-Bände, und, anders als die Don Camillo-Bände, nicht sehr positiv für den Pastor).Dr. Kusserow hat seinen ganz eigenen Stil, und es ist sein Buch. Ich kann deshalb nicht seiner nun andere Dichter und Schriftsteller beschreiben. Ich kann deshalb hier nur in diesem Vorwort ansprechen, welche Namen und Werke ich in einem solchen Band erwähnt hätte:
Bei den Philosophen hätte Feuerbach gewürdigt werden müssen, der das Christentum in vielen Punkten widerlegt hat. In diese Reihe gehört auch das Buch des Engländers Ross (welches wir im nächsten Jahr herausbringen werden), der unter dem Decknamen „Saladin“ in „Jehovas gesammelte Werke“ die Bibel gnadenlos und mit typisch britischem Humor auseinandernahm, und Haeckel mit seinem Monistenbund.Umfassendster älterer Kritiker des geschichtlichen Christentums ist Otto von Corvin („Der Pfaffenspiegel“, „Die Geißler), umfassendste neuere Kritiker sind Karlheinz Deschner („Und abermahls krähte der Hahn“, „Kriminalgeschichte des Christentums“) sowie der zuvor erwähnte Engländer Ross. Auch Darwins Leistung bei der Zertrümmerung der biblischen Schöpfungsgeschichte hätte dargestellt werden müssen.
Bei den Romanen hätte unbedingt von Knut Hamsun „August Weltumsegler“ erwähnt werden müssen, das mehr aus einem Guß gestaltet ist, als „Segen der Erde“, den Irrweg mit „Fortschritt“ und „Technisierung“ zeigt und den Sinn bäuerlicher Arbeit dagegenstellt.Hans Grimm zeigt in seinen Romanen und Geschichten prächtige nordische Charaktere, und neben „Volk ohne Raum“ hätte das für die deutsch-englische Verständigung wichtige „Heynade und England“ erwähnt werden müssen. meisterhaft sind seine südafrikanischen Novellen.Reines Heidentum finden wir in dem durch eine islandische Saga inspirierten Roman „Die Eidbrüder“ von Gunnar Gunnarsson, wo ein Bruder, der sich vom alten Götterglauben abwendet, schmählich von einem Knecht erschlagen wird.Henrik Herse hat mit „Die Schlacht der weißen Schiffe“ ein ausgezeichnetes Hanse-Epos geschrieben.J.R.R. Tolkien hat in seinem packenden Bänden „Der Herr der Ringe“ vieles aus der keltischen und germanischen Überlieferung verarbeitet.
Hinsichtlich des Kriegserlebnisses des ersten Weltkriegeshaben mich am meisten ergriffen die Geschichten, die Erhard Wittek in „Männer“ zusammengestellt hat. Als weitere mitreißende Schilderungen des ersten Weltkrieges sind von Werner Beumelburg „Gruppe Bosemüller“, von Hans Zöberlein „Glaube an Deutschland“, von Franz Schauwecker „Aufbruch der Nation“ und von Ernst Jünger „in Stahlgewittern“ und „Das Wäldchen 125“ zu nennen.Zum zweiten Weltkrieg ist besonders die großartige Schilderung von Ingo Pertersson „Ein sonderlicher Haufen“ hervorzuheben, dann von Erich Kern „Der große Rausch“, ferner von Panzermeyer „Grenadiere“. Die Kriegsbücher von Paul Carell „Wüstenfüchse“, „Unternehmen Barbarossa“ u.a. bieten Geschichte, hervorragend erzählt und mit Erlebnisschilderungen angereichtert.
Wer die Situation im Kaiserreich und Weimarer Republik richtig beurteilen will, muß von Ernst von Salomon „Die Kadetten“ und „Die Geächteten“ gelesen haben, die aus eigenem Erleben gestaltete Schilderung seiner Kadettenzeit und der Freikorps-Zeit mit den Putschisten-Plänen der OC. Für die Schleswig-Holsteinische Landvolkbewegung ist aufschlußreich der Roman von Hans Fallada „Bauern, Bomben, Bonzen“.
Was erstaunlicherweise fehlt, ist eine umfangreiche Darstellung der Werke über die germanische Religion. Zu nennen ist hier zunächst von Vilhelm Grönbech: „Kultur und Religion der Germanen“, von Jan de Vries :“Altgermanische Religionsgeschichte“, von Karl Helm: „Altgermanische Religionsgeschichte“, von Walter Baetke: „Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen“, von Bernhard Kummer: „Midgards Untergang“, von Gustav Neckel: „Vom Germanentum“.Auch andere Bereiche außer Religion behandelt das großartige Sammelwerk von Hermann Nollau: „Germanische Wiedererstehung“.Wer sich vertieft mit Einzelfragen befassen will, muß zum Kommentar von Gottfried Lorenz „Gylfaggining“ greifen, zu Ninck: „Wodan und germanischer Schicksalsglaube“, zuz Ström und Biezais: „Germanische und baltische Religion“. Für das gesamte Gebiet der Bräuche ist das zehnbändige „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ unverzichtbar. Ferner hätte unbedingt auf die im Diederichs-Verlag erschienene Thule-Reihe (24 Bände) näher eingegangen werden müssen, deren erste Auflage in den 20er Jahren erschien, als Nachdruck in den 60er Jahren, und wovon einige Sagas und die Edda nach wie vor erhältlich sind. Hier wird das Fühlen und Denken der Isländer in heidnischer Zeit geschildert, und es handelt sich wohl um die wichtigsten Quellen zum heidnsich-germanischen Lebensstil.
Es fehlt eine umfassende Darstellung des „Nordischen Gedankens“. Hierzu hätte einmal die Darstellung der grundzüge von Hans F.K.Günter in seinem Buch: „Der nordische Gedanke unter den Deutschen“ gehört, ferner eine Darstellung des Wirkens des „Nordischen Ringes“ und der „Nordischen Gesellschaft“ in Lübeck, und schließlich eine Würdigung des von Hans-Friedrich Blunck herausgegebenen Sammelbandes „Die nordische Welt – Geschichte, Wesen und Bedeutung der nordischen Völker“. Wenn wir die Gemeinsamkeit der germanischen Völker wollen, müssen wir ihre Geschichte und die sie bewegenden Umstände kennen. Hans-Friedrich Blunck hat auch Märchen und Sagen gesammelt, hervorragend seine eigene Geschichte gestaltet, und war dem Nordischen Gedanken sehr verbunden.
Bei den Rassekundlern, die gleichzeitig dem Nordischen Gedanken verbunden waren, hätte näher auf Otto Hauser eingegangen werden müssen, der nicht nur zahlreiche Übersetzungen gemacht hat, auch Gedichte geschrieben hat, sondern viele rassekundliche Schriften, allerdings manchmal zu übertrieben; ferner auf Ludwig Woltmann, der nicht nur den erheblichen nordischen Anteil in Frankreich und Italien dargestellt hat, sondern auch mit seiner „Politischen Anthropologie“ Darwinismus, Sozialismus und Rassedenken zu vereinigen suchte. Auch Otto Ammon und Alfred Ploetz, die sich mit Auslesefragen innerhalb eines Volkes und einem vernünftigen Staatsaufbau befaßten, wären kritisch zu würdigen gewesen. Einiges Nachdenkenswertes hat auch Willibald Hentschel in seinem Buch „Varuna“ gegeben.
Auch die Geschichte, einschließlich Vorgeschichte, kommt zu kurz. Eine umfassende Darstellung aus unserer Sicht idt Adolf Helboks zweibändige „Deutsche Volksgeschichte“, daneben die Werke von Helmut Diwald, und wer Geschichte amüsant und ohne christliche Scheuklappen dargeboten haben möchte, greife zu Joachim Fernaus Büchern. Zu erwähnen wäre unbedingt das 3bändige umfassende Werk von dem uns -auch durch seine Vorträge bei der Artgemeinschaft- so verbundene Prof. reinerth: „Vorgeschichte der deutschen Stämme“, das in den 30er Jahren erschienen ist, und das in der DDR in den 80er Jahren erschienene und von Bruno Krüger herausgegebene 2bändige Werk: „Die Germanen“, das bis auf einige marxistische Verbiegungen den neueren Forschungsstand umfassend dokumentiert (Vergleichbares hat es in Westdeutschland nach dem Kriege bezeichnenderweise nicht gegeben, weil Geldmittel im Wesentlichen nur dann gegeben wurden, wenn den Resten der Kelten und Römer in Deutschland nachgespürt wird). Altmeister der Germanenforschung ist Gusta Kossina mit seinem Buch: „Die deutsche Vorgeschichte – eine hervoragend nationale Wissenschaft“ und seiner Mannus-Bücherei und „Germanische Kultur im ersten Jahrtausend“. Die großartigen kenntnisse unserer steinzeitlichen Vorfahren zeigt das Bändchen von Rolf Müller: „Der Himmel über den Menschen der Steinzeit“.
Ein nicht zu vernachlässigendes Gebiet ist das der Kunst, wo die Bücher von prof. Eichler zu erwähnen wären, von Prof. Paul Schultze-Naumburg: „Nordische Schönheit“ und „Kunst und Rasse“, die Bildbände von Wolfgang Willrich.
Schließlich sollten die nicht vergessen werden, die in neuerer Zeit Brücken zwischen den germanischen Völkern zu bauen versucht haben. Hier ist insbesondere E.S. Cox zu nennen, ferner Wilmot Robertson mit seinem Buch: „The dispossessed majority“ und seiner Zeitschruft „Instoration“, nachdem früher die Northern League mit dem „Northlander“ unter Jan Kruls Bedeutung hatte (wobei sich Kruls allerdings nicht von der Kirche gelöst hatte, auch mit Rücksicht auf die vielen Christen in germanischen Ländern diese Frage nicht vertiefen wollte). Auch Richard McCulloch mit seinen neueren Büchern sei nicht vergessen.
Trotz dieser Auslassungen wird jeder aber diesen Band „Heikehr zum Artglauben“ mit Gewinn lesen. Statt der weggefallenen Kapitel habe ich einen umfangreichen Abschnitt über die Wurzeln der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft und der Deutschgläubigen Gemeinschaft vor dem 1. Weltkrieg im XVIII. Kapitel hinzugefügt, weil auch in der fachwissenschaftlichen Lirteratur zu diesem Thema keine richtige Darstellung zu finden ist.
Ferner habe ich an den Schluß das Kapitel „Geschichte des Artglaubens“ aus dem Buch „Artglaube“ von Dr. Kusserow über die Geschichte der auf germanischem Boden stehenden Glaubensbewegungen gesetzt, weil wir den Band „Artglaube“ nicht wieder herausgeben wollen, und weil eine solche Darstellung in sein Buch „Heimkehr zum Artglauebn“ gehört. Allerdings hatte Dr. Kusserow seine Ausführungen sehr knapp gehalten, ohne Archivmaterial, und deshalb in einer Reihe von Fällen fehlerhaft berichtet, auch in historischen Aufsätzen sowie seiner Autobiographie „Geleitgeister“, wobei sogar das in Anführungszeichen gesetzte Dokument zur Einigung von NRAG und NG falsch zitiert wird: mit Hilfe von Bemerkungen von ihm in unserer Zeitung, eigenen Büchern, Schriften und Unterlagen sowie dem Archiv der Artgemeinschaft-GGG mit dem Schriftwechsel von Seibertz aus den dreißiger Jahren habe ich Fehler korrigiert und das Geschriebene auf einen vielfachen Umfang gebracht, da die Darstellung aus den Kreisen anderer Gemeinschaften teilweise falsch ist, teilweise sinnentstellend verkürzt, und da diejenigen, die heutzutage aus linker Sicht über diese Dinge schreiben, aus anderen Gründen (der Diffamierungsabsicht) keine wahrheitsgemäße Darstellung bieten. Es liegt damit hier sie erste umfassende und richtige Geschichte heidnischer Religionsgemeinschaften bis Anfang der achtziger Jahre in Deutschland vor. Damit wird dieser Band dann auch in die Zeit geführt, wo die Erstauflage abgeschlossen war. Ferner habe ich aus demselben Grunde in Kapitel XVIII vieles ergänzt.
Bei der Erstauflage des 3. Bandes machte sich -anders als noch beim 1. Band- infolge Dr. Kusserows hohem Alter das Fehlen eines lektors störend bemerkbar. Ich habe Druck- und sachliche Fehler korrigiert, Ungereimtheiten berichtigt, Teile umgestellt, einige Gedichte von Bangert statt George und zeitlose Ausführungen über Religion und Deutschgläubigkeit aus dem Buch „Artglaube“ eingefügt, Abschnitte und Kapiteleinteilungen verändert und manche Formulierungen gestrafft. In dieser überarbeiteten Fassung ist nun auch dieser 3. Band hervorragend geeignet, suchenden Menschen den Weg zurück zum Glauben ihrer Art zu zeigen.
J. Rieger

 


Wir brauchen nur Franz Lennartz weiter zu zitieren, um -ohne wesentlichen eigenen Kommentar- das Bild gebrochener Seelen darzubieten, welches unsere Moderne so vielfach charakterisiert. Die „Lösung“, bzw. „Erlösung“ durch den christlichen Glauben ist dann die letzte Zuflucht des ehemals germanischen Charakters, der, gemischt und innerlich heimatlos geworden, das Dasein, wie es ist, nicht mehr „besteht“, es nicht mehr erträgt und meistert. (Heute weicht die Jugend in solcher Lage in die Droge aus. Damals ging man statt dessen ins Kloster).“Dieser Trilogie der Frau (das Dreiwerk Kristin Lavranstochter) steht das Epos des mannes gegenüber: Olaf Audunssohn (4 Bände), ein Menschenalter vor Kr. Lavr. spielend, ebenfalls ein ausgeprägtes Bekenntnis zum katholischen Glauben. Olaf, der mit der Tochter seines Pflegevaters ohne priesterlichen Segen zusammenlebt, später wegen Totschlags nach Dänemark entflieht, findet die Geliebte bei der Heimkehr schwanger, verzeiht ihr, tötet aber heimlich den Verführer. Seine Ehe bleibt aber belastet von beider Schuld, die sich auch nach dem schweren Tod der Frau bis zu seinem Tod auswirkt; erst durch seinen Stiefsohn, der ins Kloster geht, wird er ‚erlöst'“.Zum Schluß dieser Darstellung findet Lennartz noch einige sehr bezeichnende Worte für den Doppelroman „Gymnadenia, der brennende Busch“. Er „setzte sich gegen den Vorwurf tendenziöser Gesinnung durch: die konfliktreiche Entwicklungs- und Ehegeschichte eines Mannes unserer Zeit, der aus neuheidnisch-humanistischer Weltanschauung zum Katholizismus findet“. (S. 860 unten)

Zu dieser Formel „neuheidnisch-humanistische Gesinnung“ muß noch etwas verdeutlichendes gesagt werden. Fremdworte enthalten ja meist unklare Begriffe, mehrdeutige Inhalte und sind deshalb so gefährlich, weil sie Vorstellungen erzeugen, die den Tatsachen der Wirklichkeit nicht entsprechen und mehr: dem was ausgedrückt werden soll in keiner Weise gerecht werden.So ist auch die Wortzusammenstellung „neuheidnisch-humanistisch“ durchaus irreführend. es mag sein, daß diese Begriffsbildung zutrifft auf die unklaren Zwischenstufen eines erschütterten und halb-modernen wissenschaftlichen Freigeistertums; auf eine artgläubige Inhaltsgebung moderner Religion, wie es die unsere ist, trifft diese Wortgebung nicht zu. Denn man kann zwar -und das leicht- von einem humanistischen Atheismus wieder zum Christentum zurückkommen, weil man von der Freigeisterei enttäuscht ist, da diese keine wirklichen religiösen Grundlagen geben kann, aber man kann nicht vom echten neugewonnenen Artglauben zum Christentum zurückgehen, weil einem Artgläubigen das Sündengefühl fehlt, und die Fähigkeit, das Dasein selbst kämpferisch-unverzagt, also echt heidnisch, zu bestehen und zu erfüllen, unvereinbar damit ist, den schwachen Halt im mittelalterlichen Dogmenglauben zu benötigen. Die Züge der religiösen Haltung bei Sigrid Undset sind so deutlich gekennzeichnet vom Nicht-Fertig-Werden mit der Wirklichkeit, mit eigener Schuld und nicht vollbrachter eigener Sühne, daß sich jedes Wort darüber erübrigt, dies sei reine Literatur; es ist vielmehr Propaganda für die sinkende Fremdreligion, welche in schwachen Seelen ihren Widerhall findet, weil sie „Erlösung“ verspricht, wo nur eigene Tat, Leistung und Selbsterfüllung unserem Dasein gerecht wird. Insofern ist Sigrid Undset eine wahrhaft moderne Seele, nämlich zerrissen vom übergroßen Anspruch an das Leben und zugleich überwältigt von der Unfähigkeit, eigene Schwäche durch Lebensleistung zu überwinden und durch die Tat Schuld zu sühnen.

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Solch ein Mensch ist auch Ludwig Tügel (geb. 16.IX.1889 in Hamburg). Er gehörte zu den Menschen, die erst lange suchen und forschen müssen, ehe sie sich selbst und ihre wahre Berufung finden können. Was ihn aber aus diesen schweifenden Naturen heraushebt, ist einerseits die Tatsache, daß er trotzdem zehn Jahre lang Soldat und Offizier war. Auch diese Erfahrung brachte ihm innere Erlebnisse, die er in seinem dichterischen Werk verkörpert hat. (Pferdemusik: die Erzählung schildert einen Offizier, der, aus dem ersten Weltkrieg heimgekehrt, nicht in die bürgerliche Welt zurückfindet und in Marsch und Heide ein wunderliches Kriegsspiel mit seinem alten „Burschen“ entfaltet, in dem er die Rolle des Frontsoldaten zwischen selbstgebauten Schützengräben und Drahtverhauen weiterspielt.

Diese komisch anmutende Situation ist aber für den Hauptmann zugleich ein Erlebnis des Übersinnlichen, denn er hört die Sphärenmusik (Pferdemusik, wie sein Bursche mißverstehend meint) in den singenden und summenden Tönen, welche die Granatsplitter verursachen, wenn sie durch die Atmosphäre wie eine himmlische Harfe rauschen. – (Jeder Frontsoldat kennt diese seltsame und Geisterhafte Musik.)Die Feinfühligkeit, die der Dichter in dem Verständnis gegenüber dem Hauptmann zeigt die Fähigkeit, das tiefere Erlebnis als richtunggebend anzuerkennen und darin Sinn und Deutung des seltsamen, anomal wirkenden Verhaltens des Offiziers zu finden, erweist zugleich den Innenblick Tügel, der die äußeren Tatsachen und Begebenheiten nur benutzt, um an ihnen die Urkräfte zu erfahren, die den wahren Menschen bewegen.Man könnte sagen, daß solch ein Dichter nicht in „unsere Zeit paßt“; aber gerade das ist es, was ihn einmalig und, in unserem Sinne, tiefer wertvoll macht als die Realistik der Zeitungsreporter und die Sensationsschriftstellerei der durchschnittlichen Romanschreiber. Eine ähnliche Feinnervigkeit der Seele und des Verstehens finden wir in der neuzeitlichen Literatur wohl nur noch bei Laurens van der Post, jenem südafrikanischen Darsteller des Eingeborenenlebens und der inneren Geheimnisse des Schwarzen Erdteils.Was uns im besonderen mit Ludwig Tügel verbindet, ist seine Beziehung zu nordischer Landschaft und niederdeutschem Charakter. Hinter solcher Vorliebe steckt meist eine tiefe Neigung und ein tieferes Verständnis für die heimliche oder offene heidnische Art und Veranlagung des Menschen. Im Nordischen gibt es diesen Typ des gleichsam durch das Leben als einer Unwirklichkeit wandelnden Menschen, der die bewegenden Kräfte hinter den äußeren Dingen sieht und ganz in den Strahlungsverbindungen des letzten Menschlichen zu Hause ist, so daß er die reale Tageswirklichkeit fast nicht mehr sieht und beachtet. Man nennt diese Angehörigen unseres Volkes auch „överspönig“ und „Spökenkieker“. und sie gehören doch so tief zu dem Wesen unserer Menschenart, daß wir ärmer wären ohne sie. Hier zeigt sich überhaupt erst das Problem des Tiefensinnes, ob das eigentlich sich Ereignende und auf jeden Fall das wirklich Wesentliche sich nicht auf einer anderen Ebene abspielt – auch in unserem eigenen Leben, als in der sogennanten Realität des äußeren Daseins.

Diese Frage, inwieweit unser „hiesiges“ Leben, wirklich das „eigentliche Leben“ ist oder nur ein Schein, hat die größten Philosophen aller Zeiten beschäftigt. Sie enthält einerseits die gefährliche Möglichkeit, daß Menschen, die das „hiesige Leben“ zu führen haben, ganz aus der Tagesrealität aussteigen und entweder zu komischen Käuzen oder weltabgewandten Schwärmern werden. Sie kann andererseits zu der Frage werden: liegt nicht zum mindesten der Sinn jeder menschlichen Begegnung (und auch jedes menschlichen Verhaltens überhaupt) in einer Beziehung, die hinter und über uns wirkt und uns zusammenführt oder schicksalhaft trennt. Dies ist die Verbindung, welche Tügels Werk und Wesen zu unserer Auffassung von einem wesensgemäßen Glauben hat, denn die Linie des von den letzten Kräften (in ihm und außer ihm) bewegten Menschen zu den Schicksalsdingen der äußeren Welt ist dieselbe, welche „Zufall und Schiksal“ vereint (Wilhelm von Scholz, sein gleichnamiges Buch).

Wir sind also bei Tügel nicht nur im Bereich eines abstrusen weltfremden Dichters und Träumers, sondern durchaus im Mittelpunkte entscheidender Deutungsfragen des menschlichen Lebens, also auch des Lebens von Volk und Art, denn diese Form und Weise des Denkens und Fühlens ist im besonderen Sinne auch die nordische. Der Mensch des Nordens hat in Jahrtausenden Zeit gehabt, in den dunklen und nicht endenwollenden Wintern nachzudenken über des Wesen der Welt, die Beziehung der Menschen zueinander und den Sinn alles dessen, das am Tage allein nicht zu finden ist.

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Lulu von Strauß und Torney:Mutter ErdeHeilige Mutter, die uns alle trägt!Die der wechselnden Geschlechter ReigenBlühend sah ans Licht des Morgens steigenUnd die müden Kinder dann im Schweigen,Lächelnd ihrer flüchtigen Lust und Klage,Still zum Schlafe legt.Heilige Mutter, die uns alle trägt,Neue Jugend strömt durch deine Glieder,Braut des starken Lebens heißt Du wieder,Die die Stirn sich kränzt mit blauem Flieder,Die des Schleiers grüne ÄhrenseideUm die Schulter schlägt.Heilige Mutter, die die Müden hegt,Über meiner Qual und Wonne StreitenMagst du morgen deine Schollen breiten,Laß mich heut durch deinen Sommer schreitenUnd soviel des süßen Rausches trinken,als das Herz erträgt.Dies ist ein wahrhaft heidnisches Gedicht der Lebensbejahung und Freude. Keine oberflächliche Glückshudelei, sondern zugleich das Wissen um Ende und Tragik, die allem Glück innewohnt. Ein ganz starkes, glühendes Bekenntnis zum herllichen Dasein in seinen Höhepunkten und ein Bewußtsein um die Aufgabe, die wir haben, alles Leid wie alle Lust zu „bestehen“. Lulu von Straußs Lyrik ist unerschöpflich wie ein Quell, frisch und naturentsprungen, einer starken und doch feinsinnigen Natur, der alles zum Lebensgleichnis wird. …

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Joseph Weinheber – Tragik und Berufung…Das folgende Gedicht enthält eine Haltung und Stimmung, die aus dem Georgeschen Werk stammen könnte: die Verehrung des Jünglings als des Abbildes des reinen, vom Leben noch ungetrübten Ideals unserer Jugend. daher sei dieses Gedicht (verkürzt) hier gebracht:An die Jugend… Jugend, tiefer dich lebend, da du fort bist,fort für immer, und liebend nun erstganz dich, schmerzvoll wie man nur Totes liebt,das unwiederbringlich -schau ich in verewigtem Glanze Dichden milden Sinn des bitteren Gesetzes,Dich, die Freude, Dich, die Kraft und die Stärke,Dich, die heilige Schönheit.Immer wieder reift und wird süßim Wohlklang herber Jünglingsliederdie klare Rückkunft des Apoll,ersteht der Semele Sohn aus trunkenenbraunen Augen, wild und sanft wie der Blick der Hindin.Unzerstörbar klingt eines Saitenspiels ferne Lockung;wandelt der Stillverliebte einsame Fluren.Rührt mit Macht den Alternden anDein Liebreiz,daß, am Schmerz des eignen Verlusts entzündet,jener, ach, den größeren Herbst der Menschheitahnt und erschauert.Wo, dann, klagt er, griechischer Frühling,bleibst Du, Menschnenugend, blaue,die Götter zeugte,eh der finstere Dämon des Leidsdie Lust am Licht Dir verderbte:Tot die Götter. Leis nur die Spur noch;ihres heiteren Maßes; einsam besungen,tönend noch aus letzter Strophe,die Sehnsucht nachsingt edlerer Urform….

Diese Schrift kann beim Buchdienst der Artgemeinschaft bestellt werden!