Geschrieben von: Gorch Fock
Das Mai-Einsingen und -Eintanzen war der Beginn einer Festzeit, die in Hohe Maien gipfelte. Das Ringen von Winter und Sommer findet nach alter Überlieferung zehn Tage vor Hohe Maien seinen Abschluss.

 

„Im Maien, im Maien die Vögelein singen …“ , so beginnt ein alter Maientanz aus dem Rheinland. Unendlich viel Liedgut und Reigentänze, die Maienzeit betreffend, haben sich über viele Jahrhunderte hinweg bis in unsere nüchterne Welt am Ende des 20. Jahrhunderts hinübergerettet. Monat Mai – der Wonnemonat – lässt auch in Menschen der Grossstädte etwas längst Vergessenes anklingen, das sie hinauszieht in Wald und Feld, unter den unendlich weiten Frühlingshimmel, in den sich trotz allen Vogelmordens doch noch so manche Lerche jubilierend emporschwingt.
Im süddeutschen Raum hat sich das reiche Maienbrauchtum nie ganz verloren. Das Aufrichten des Maibaumes, das im Jahre 1225 in der Gegend von Aachen erstmalig erwähnt wurde, geschieht in Dörfern und auch grösseren Ortschaften der Alpenländer noch heute unter Anteilnahme der einheimischen Bevölkerung. Hier und da finden wir auch in anderen Landschaften Westdeutschlands einen stattlichen Maibaum, oftmals festlich mit bunten Bändern und alten Sinnbildern geschmückt.
Selbst in Mitteldeutschland, insbesondere in Thüringen, der Lausitz und im Erzgebirge wagt sich verschüttetes Brauchtum wieder hervor, wird neuerdings von staatlicher Seite sogar gefördert.

In Schweden werden die zur Mittsommerzeit errichteten Bäume überall auch “ Maienbäume “ genannt. Wer aber von allen den Menschen, die fröhlich und unbeschwert den Mai einsingen, sich im Tanze um den Maibaum drehen, weiss noch vom tieferen Sinn dieser festlich-frohen Maienzeit? Bei unseren Vorfahren war der Maibaum, ebenso wie der Weihnachtsbaum, das Sinnbild des Lebensbaumes.

Das alte deutsche Maifest begann fünfzig Tage vor der Sommersonnenwende und, wie alle germanischen Feste, mit dem Feuer in der Vornacht zum ersten Tag im Maien. (Die sogenannte Walpurgisnacht ist eine bewusste Ablenkung von dem eigentlichen Sinn dieser Feuernacht.)

Das Mai-Einsingen und -Eintanzen war der Beginn einer Festzeit, die in Hohe Maien gipfelte. Das Ringen von Winter und Sommer findet nach alter Überlieferung zehn Tage vor Hohe Maien seinen Abschluss. An diesem Tage, einem Donarstag, holt sich Donar, der machtvolle Herr von Blitz und Donner, der hammerschwingend auf seinem Gespann durch die Lüfte fährt, seinen Hammer vom Urweltriesen wieder. Dem letzten Aufbäumen der drei Eisriesen (der “ Eisheiligen “ der katholischen Kirche) folgt Mitte Mai dann die fruchtbare warme Jahreszeit. “ Hammers Heimholung “ wurde früher mit grossem Jubel gefeiert (u.a. Hammerwerfen auf Eisriesen).

Die Flurumzüge waren von grösster Bedeutung für den germanischen Bauern, geschahen sie doch zu Ehren für Frau Freya, auch Holda, Harke, Erke oder Era genannte (alles sinnbildliche Benennungen für die gütige “ Mutter Erde „). Sie sollten Dank für den sichtbaren Segen der göttlichen Kraft sein.

Die Maienzeit ist ja die Zeit der sinnbildlichen Vermählung des himmlischen Alls mit der „Mutter Erde“ – die Hochzeit Wotans mit Frigga, die Vereinigung der beiden Göttersippen, der Asen und Wanen – eines der gewaltigsten Bilder unserer Frühzeit.

Hohe Maien – hohe Zeit – Hochzeit alles Lebendigen, alles Gewachsenen, das sich zu höchster Schönheit entfaltet. Hier vereinigen sich Himmel und Erde, Gottheit und Mensch. Wie sehr diese Hochzeit alles Lebendigen eben auch den Menschen einbezieht, zeigt der alte Brauch des Mailehens, die Kür des Maienbrautpaares. Die Frühlingsvermählung von Himmel und Erde wird sinnbildlich dargestellt in der Einholung der Maienbraut durch den Maienbräutigam, die beide aus Tüchtigkeitskämpfen ermittelt werden. Maienkönig und Maienkönigin werden einander dann sinnbildlich angetraut.

Die vielfältigen Tanz- und Singspiele um den Maibaum sind entstanden aus den Weihespielen zu Ehren der Gottheit. Meist sind sie ein Gleichnis von Leben und Tod, das sich im lebensbejahenden “ Lebensreigen “ auflöst. Noch im Mittelalter waren die grossen Reiterturniere auf dem “ Maifeld “ ein Begriff. Die katholische Kirche hebt die festliche Zeit des Maien durch allabendliche Maiandachten hervor, die, wie alle von der christlichen Kirche umgeformten heidnischen Jahreszeitenbräuche, vom tiefen Sinn des von unseren Vorvätern Überkommenen weit weg führen.

Möge es uns, die wir bewusst an die innige Verbundenheit unserer Vorfahren zur Natur wieder anknüpfen, gelingen, unsere Ehrfurcht vor allem Lebendigen, unsere tiefe Freude an allen Schönheiten der Natur, die uns gerade zur Maienzeit so sichtbar entgegenströmen, weiterzugeben an unsere jungen Gefährten, die mit uns im arteigenen Sinne heranwachsen.

Pfingsten ist ein durchaus heidnisches Fest, eine Frühlingsfeier, die gar nichts mit dem Christentum zu tun hat. Die “ Ausgiessung des Heiligen Geistes “ ist nichts als Verlegenheit: Wer denkt an Simon Petrus und seine Brüder, wenn der Buchfink singt, der Kuckuck ruft und die Apfelbäume mit BIüten bedeckt sind?