Wer einmal damit begonnen hat, nach dem Sinn des nordländischen Brauchtums zu fragen und nun durch den Gang des Jahres hindurch aufmerksam die verschiedenen Gestaltungen in den Landschaften betrachtet, der wird nach einer Weile ein klares Gefühl für den Wesenskern dieser festlichen Handlungen und Formen gewinnen. Durch die Vielfalt der Gestaltungen gelangt er zu dem Ursprung, der erst diese Fülle möglich macht, daß unser Brauchtum Feier des Lebens ist!

Wir wissen, daß die lange Zeit der Verchristung, in welcher das germanische und keltische Brauchtum getarnt und geradezu in Winkeln hauste oder bewußt in seinem Sinn verändert wurde, zu einer Verwitterung führen mußte . Es bedarf der ganzen dichterischen Kraft einer neuen Klassik in unserem Volke, natürlich auch in unseren Brudervölkern, um den Geist unserer Ahnen wieder zu ergründen und uns neu einzuverleiben. Die Erfassung der örtlichen Besonderheiten darf zuletzt nur dazu dienen, das großartige Gefüge der ursprünglichen Weltanschauung der nordischen Art herauszufühlen und zu beweisen. Und das ist unser Glaube und unsere Hoffnung: diese ursprüngliche germanische Weltanschauung umschloß bereits als Gründung die ganze Möglichkeit, mit welcher unsere Art ihre Stellung zur Welt gesehen und behauptet hat. Darum haben wir ein so großes Interesse an dieser Wiederentdeckung unserer ursprünglichen Weltanschauung und dem von ihr bestimmten und geformten Brauchtum, weil wir in ihm die Gesetze unserer Lebensform in frühlingshafter Frische zu erkennen hoffen, weil deren Weitergestaltung uns den leiblichen und geistig-seelischen Bestand der nordischen Art zu sichern als bester Helfer geeignet zu sein scheint . Es hängt viel von unserer Lebendigkeit und unserem Gestaltungswillen ab, was aus dem Brauchtum werden soll: stilles Museum etwa? Nur Schreibstoff für Schriftsteller? Oder aber nicht vielmehr festlicher, gegenwartsnaher, zukunftsträchtiger Ausdruck der Weltanschauung seiner Träger in all den möglichen Formen unserer Kultur. Wir müssen die Bräuche mit neuem Atem zu echtem Leben erwecken, damit sie sprühend, bluthaft verbunden und farbenfroh sind.

Mittelpunkt unserer Bräuche ist die Feier des Lebens, in all seiner Fülle. Als irdische Fruchtbarkeit, als Licht, Wachstum und Ernte, als Kampf und Sieg, als Reinigung, als stilles Wirken, als Jugend, Reife und Vollendung. Und selbst der Winter, Not und Tod finden ihre Bejahung als Voraussetzung für neues Leben. Das ewig gültige Naturgesetz vom Stirb und Werde wird völlig angenommen .
Das Wesen der Erde, die Gesetze des Weltenraumes, aber auch das Dasein des Einzelnen wie auch seiner Familie werden in dieses Brauchtum des Lebens eingeschlossen und gefeiert. Es drückt auf verschiedene Weise das gleiche aus: das Leben wächst, der Frühling beginnt, die Sonne steigt, alles wird fruchtbar, alles gedeiht, nach ewigem Naturgesetz drängt das Leben von Erde und Mensch zu Blüte, Reife und Ernte über den eigenen Tod hinaus zur ewig wiederholten Wiedergeburt. Dieser Wille, dem Leben sich dienend hinzugeben, es zu steigern, fortzusetzen und zu vervollkommnen, spricht aus den Zeichen genau so wie aus Sprüchen, Liedern und Glückwünschen. Speise und Trank, Schmuck und Handlung verkünden dieses, wandeln tut sich immer nur der Ausdruck je nach Landschaft, Jahres – zeit oder Anlaß.
Andere Völker mögen andere Einstellungen zum Leben und zur Welt haben, mögen zu anderen Schlußfolgerungen vor den gleichen Dingen der Welt gekommen sein, was ihrer jeweiligen Weltanschauung aufgrund anderer rassischer Erfahrung auch richtig entspricht. Wir aber halten Treue den Naturgesetzen, damit eingebunden die Feier des Lebens. Besonders überzeugend spricht diese Lebensbejahung unserer Art aus den Blüten und farbenfrohen Symbolen der Bräuche. Wo in der Welt ragt ein so starkes Zeichen des Frühlings empor wie im Osterbaum mit Eiern (Symbol des Lebens) und Bändern, seinen Blumen und grünen Zweigen, seinem Sonnengebäck?
Wer allein beim Anblick dieser Dinge unberührt bleibt und nicht eine Ahnung von der damit bildhaft ausgesprochenen Lebensbejahung bekommt, der ist ein Fremder oder geistig-seelisch entartet. Wir müssen uns immer diese Erscheinungen vor Augen halten und bewußt machen. Wir müssen uns durch sie verlocken lassen zu neuer Gestaltung und Fülle. Wir müssen uns aus der uns von den Vätern und Müttern ererbten Lebensbejahung heraus entschließen, allmählich unser ganzes Leben mit dieser Farbe, diesem Licht, dieser Eindeutigkeit der Gesinnung zu durchdringen; wir müssen die ganze Fröhlichkeit, aber auch den ganzen Ernst dieses Brauchtums und seiner Zeichen erfassen und ihre Gestaltung von Jugend an als geliebte Pflicht empfinden lernen. Dann wird bei uns eine Schönheit aufblühen, die wir bis dahin nur als Vorrecht der Antike geglaubt haben.

Nach dem Fasching, welcher dem Austrieb des Winters dient, ist Ostern die eigentliche Wiedergeburt der Sonne. Unsere Ahnen feierten zum Beginn der Meientit (altniederdeutscher Name für Frühling) am ersten Vollmond nach der Tag- und Nachtgleiche ein Fest zu Ehren der Göttin Ostara. Sie war Schutzgöttin der wiederauflebenden Natur, der Morgenröte, des ansteigenden Sonnenlichtes. Der Name leitet sich vom angelsächsischen Eotera, auch Eostera ab, der ursprüngliche Name Eostra stammt aus der nordischen Sprache .

Nach dem alten Kalender beginnen am Perchtentag, dem 2.1., die Tage des Faschings, die geprägt sind von Winteraustreibritualen. Einen Monat danach liegt das Fest der Lichtmessung, am 2.2., an dem die merklich größer gewordene Tageslänge und der höhere Mittagsstand der Sonne gemessen und angemessen gefeiert werden. Die folgenden zehn Tage sind dann der Höhepunkt der närrischen Zeit, mit den eigentlichen Umzügen. Besonders herausgebildet hat sich hier der Rosenmontag, auch rasender Montag genannt. Selbst im evangelischen Norden finden wir in Friesland mit dem Abbrennen der Biikefeuer am Lichtmeßtag noch den Sinn der Faschingsrituale erhalten. Der riesige Holzstoß des Feuers wird von einer Strohpuppe gekrönt, der den Winter darstellen soll. Feuersonnenkraft gegen Wintereiseskälte; die alten Weihnachtsbäume liefern oft das Material für das Biikebrennen.
Wir können vieles tun, um die Erneuerung zu feiern und zu versinnbildlichen. Wir können die herrliche Ostersonne aufgehen sehen.

Ein alter Brauch ist das Osterwasserschöpfen schweigend vor Sonnenaufgang, weil man sich von dem so gewonnenen Wasser schützende, gar heilende Kräfte für Mensch und Tier versprach. Oft werden ganze Krüge mit heim genommen. Plaudern darf man dabei aber nicht, denn „Schwatzwasser“ verliert seine Zauberwirkung. Es tut der Seele gut, wenn sie einmal im Jahr so bewußt das Wasser als reinigende Quelle der Sauberkeit, Frische und Gesundheit empfindet.

Wir schmücken unsere Häuser mit frischem Grün. Der Frühling hält Einzug. Wir decken eine festliche Morgentafel mit Kerzen, Osterglocken, Tausendschön, Veilchen, Holzosterbäumchen. Blumen duften, der Festtagskuchen steht vielleicht auch schon da. In einer Schüssel liegen bunte Eier, vielleicht auch mit Sinnsprüchen verziert, oder Manrune, Lebensbaum und Sonnenrädern. Dann könnte man mit den Kindern in den Park der Stadt oder eigenen Garten oder den Wald gehen und Nester für den Osterhasen bauen und Eier suchen. Vielleicht stiepen sie uns mit Weidenruten, der lachenerweckenden und frühlingsgrünen Lebensrute.

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Eier sind Symbol keimenden Lebens, wurden häufig zur Geburt eines Kindes geschenkt. Anläßlich der wiedergeborenen Natur wurden der Ostara bunt verzierte Eier geschenkt. Der Brauch des Ostereiersuchens folgte allerdings erst in späteren Jahrhunderten. Die Fabel, daß der Hase die bunten Eier legt und im Gras versteckt, erzählten die Erwachsenen gern den Kindern, um den Gang in die Natur spannend zu gestalten. Die Erwachsenen hatten ihre Freude, wenn die Kinder sogenannte Haseneier suchten. Der Hintergrund ist aber auch hier die Erkenntnis, daß der Hase ein Fruchtbarkeitssymbol ist und somit zu den fruchttragenden Eiern gut paßt.

Der Hase vermehrt sich rasch, ist daher Inbegriff einer hohen Fruchtbarkeit. Ein Frühlingssymbol deshalb, weil das Fell des Schnee- bzw. Alpenhasen ebenso wie des schwedischen Hasen sich im Frühling dunkel färbt, so wie die Natur ihr Winterkleid verliert. Er wurde der Ostara geopfert im gemeinsamen Mahl und spielte eine so große Rolle, daß die Kirche das Hasenbratenessen als heidnisch verbot. Papst Bonifatius konnte sich im 8. Jahrhundert damit aber nicht durchsetzen.

Der Gang hinaus ins Freie tut der Seele gut. Solch ein Umgang mit der Natur muß Sitte werden: wenn dies jedes Jahr bedachtsam wiederholt wird, dann entfaltet dies seine tiefste Wirkung! Und laßt die Kinder ihre Lebensruten mitnehmen und sie auf ein Beet, ein Feld setzen, damit sie die Erde schmücken. Eierspiele und Eierläufe sind in vielen Gegenden aufgezeichnet. In Bautzen rollen Eier und Obst von einem Osterberg herunter, und die unten stehenden Kinder haschen die guten Gaben. Umzüge werden veranstaltet, in denen der Frühling siegreich mit dem Winter kämpft. Und kraftvoll feiert die Dorfgemeinschaft in Lüdge in Westfalen. Dort werden mannsgroße Osterräder mit Stroh vollgestopft und brennend zu Tal gerollt. Wie die Sonne warm die Felder begrüßt, so rollt hier das Sinnbild der Sonne glühend über den Acker. Es soll reinigend auf Natur und Mensch wirken. Das Feuer verkörpert einfach den Sieg des Lichtes, der Wärme über den Winter, die Kälte. Die angekohlten Reste wurden auf die Felder getragen.

Die Kinder aus Lüdge essen auch Brauchtumsgebäck. Aber das Gebildbrot ist auch in vielen anderen Gegenden verbreitet. Zumeist wird es mit fein gestrichelten Mustern verziert, welche die frühlingshaft erstarkte Sonne darstellen; es werden aber auch Eier in geflochtenen Kränzen mit eingebacken. Es ist klar, hier gibt es kein dogmatisches Begrenzen und Belehren, wie man es machen darf oder muß. Wer erkannt hat, worauf es im Kern ankommt, den wird seine eigene Lebendigkeit zu einem echten Ausdruck unserer zyklischen, lebensbejahenden Weltanschauung bringen. Er nimmt dann Feuer, Wasser, Blume, Baum, Zweig, Eier, Farben, Bänder und anderes zur Gestaltung.
Wer sich überhaupt mit dem vorchristlichen Brauchtum befaßt, wird feststellen, wieviel doch in christlicher Umerziehungzeit überlebt hat. Die Kirche hat aus Ostern das Auferstehungsfest ihres Christus gemacht und es auf dem Konzil von Nicäa 325 willkürlich auf den Sonntag verlegt, welcher dem ersten Frühlingsvollmond folgt. Ursache war ein Streit gegen 190 zwischen den ersten Judenchristen und späteren Ariochristen. Die orientalischen Christen feierten Ostern zur gleichen Zeit, in der das hebräische Passahfest stattfand. Dagegen lehnten sich die europäischen Christen (also zunächst Anhänger des Mithraskultes, später Kelten und Germanen) auf. Die ersten Judenchristen feierten das Passahfest sogar noch zusammen mit den Juden, weil sie gar nichts eigenständiges kannten. Bis eben zum vorgenannten „Passahstreit“. Im Kirchenjahr ist Ostern das höchste Fest, wohlgemerkt nicht Weihnachten. Bei uns ist es genau umgekehrt; Jul ist das höchste Fest, Ostern eines der vielen anderen bedeutenden Jahresfeste.

Die vorderorientalische Grundannahme, daß der Eintritt ins irdische Leben ohnehin der Eintritt in ein Jammertal sei, aus welchem man mittels eines Heilands erlöst werden müsse, aber erst nach dem Tod, erklärt uns die Sehnsucht nach dem „Glück im Jenseits“. Der nordische Mensch bejaht aber das Leben mit allen Höhen und Tiefen und stellt sich dem Lebenskampf. Er schenkt dem beginnenden Leben, sei es dem Kind oder der Natur, die Freude, die ihm gebürt. Er achtet auch den Tod und nimmt diesen genauso an, als Naturgesetz im Lebenslauf.

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Nordländische Art wäre es aber nie, den Tod über das Leben zu stellen. Ein Totenfest war nie das höchste aller Feste, es stand stets gleichberechtigt neben den Lebensfesten, sowohl im Jahreslauf der Natur als auch im Lebenslauf des Einzelnen. Geburtstag im Dorf, in der Sippe, wurde bei ihnen immer gerne gefeiert. Fundamentale Christen lehnen es ab, dieses wegen des heidnischen Ursprunges – ebenso wie Ostern – zu feiern. Ihnen ist klar, daß ihre lebensfeindliche Religion anderes auch nicht zulassen kann. Es macht daher von vornherein keinen Sinn, Ostern als Totenfest zu gestalten, denn es ist ein Fest des Lebens und wird dies auch immer sein.
Ostaras Gefolge sind die Tiere des Waldes; denn, wo sie mit ihren Füßen den jungen Sonnenstrahl am Boden berühren, sprießt junges Grün. Auch sie erleben in jedem Jahr das gleiche wie wir Menschen. Die trüben Tage weichen vor dem wachsenden Licht, der letzte Schnee zerrinnt, die Wiesen werden grün. Über ihrem Kopf fliegen die Vögel, welche den Winter im Süden verbracht haben und nun zurück kommen.
Selbst im Kloster Corvey findet sich ein Chor, der Ostara besingt. Die alten Reigentänze sind kultische Tänze zur Nachbildung des Sonnenlaufs, ein Opfer an die Sonne. Osterschießen, Osterklappern folgen. Die Ratschenbuben, die lärmend umherziehend oft das Kirchengeläut übertönten, erhielten als Dankeschön kleine Gaben von den Nachbarn und Freunden: Wurstwaren, Wein, Geld und vor allem Gebildtrot. Beim österlichen Festgebäck steht die Sonne im Mittelpunkt. Das älteste bekannte Gebildbrot zur Osterzeit ist der Osterfladen, der vom Burgenland bis ins Salzburgische als Osterfleck bezeichnet wird Die große Scheibe, die mit feingestrichelten, meist strahlenähnlichen Mustern verziert wird, hat manchmal ein Ei eingebacken. Dazu gibt es in den Alpenländern vielerorts süßgebäckliche Kipfel. Diese bilden dann den Zusammenhang zwischen Sonne und Mond. Das ostpreußische Schmackostern stellt aber kein Gebäck, sondern einen alten Fruchtbarkeitszauber dar. Grundsätzlich zielte das Sinnen und Trachten der Schmackostergänger auf Langschläfer in Betten bei Nachbarn, Bekannten und nahe wohnenden Verwandten. Und festes Gesetz war, daß die Schmackosterer hereingelassen wurden. Wehe dem also, der am zweiten Ostertag zu lange schlief! Ihm wurden von den Schmackosterern rücksichtslos die Decke weggezogen und er oder sie bekam die Rute kräftig um die Beine und aufs Gesäß zu spüren. Und bei allem Geschrei, Gezappel und Gezeter gab es kein Entkommen. Während dieser Tat sagte der Schmackosterer noch einen Spruch auf, auf den hin er entsprechend entlohnt wurde. Er lautete allgemein: „bunt Oster, schmackoster, fief Eier, Stück Speck, vom Floa de Eck, ehr goh eck nich wech“.

Etwas eigenes im Banat stellt das Ankohlen von Holzpfählen im geweihten Feuer am Ostersonnabend dar. Der Pfahl stellt den Winter dar, der nun durch die Sonne verbrannt wird. Die Kohle am Holz, wie auch die Kohle aus dem geweihten Feuer, ist ein Heilmittel, weil hier wieder die reinigen Kraft des Feuers zugrunde liegt. Den Kindern legt man die Ostereier nicht wie bei uns in ein Nest oder im Garten versteckt, sondern in die Schuhe. Kinder und Erwachsene schmücken dann die Brunnen mit weichem Moos, Girlanden aus Tannengrün und langen Ketten aus aneinander gebundenen Eiern.
In einer anderen Gegend, in Mecklenburg, wird in der Osterwoche das Jahresrad aufgehängt und mit einem Kranz von Weidenzweigen, Birkengrün, bunten Bändern und schön gefärbten Eiern geschmückt. Die Kinder spielen auf der Blockflöte die lustigen Osterlieder und fragen unermüdlich nach den Schelmengeschichten vom Osterhasen. Auch helfen sie eifriger als sonst bei den Frühjahresarbeiten im Haus und Garten mit. Wenige Tage vor Ostersonntag werden Zweige mit den Knospen der Weide und des Haselstrauches in den Kranz gesteckt oder der Osterstrauß in einer Vase geschmückt. Es wird für jedes Familienmitglied je ein Osternest mit buntgefärbten Eiern versteckt. Zu Ostern kann dann jeder im Garten, am Teich, in Feld und Wald suchen gehen, was bestimmt schöner ist, als in den engen Wohnungen.

Später singt man Lieder, und die Kinder spielen „Häschen in der Grube“ u. a., wie z. B. Eierlauf, Eierrollen, Eiertitschen. Hierbei werden zwei Eier aneinander getitscht; wessen Ei das andere zerbricht, der gewinnt das getitschte. In Kärnten, auch in Mittenwald, Lautertal ist das Scheibenschlagen üblich. Etwas anders als bei dem eingangs erwähnten Osterräderbrennen aus Lüdge werden hier im weiten Bogen die Feuerscheiben durch die Luft geschleudert und mit Segenswünschen versehen. Reste des verbrannten Holzes werden auch hier zum Schutz gegen Blitz und andere Gefahren mit nach Hause genommen. Wo kein Osterfeuer brennt, da zündet nach altem niederdeutschen Glauben in dem Jahr Blitz und Brand ein Feuer im Haus an.
Feierliche Umzüge begleiten vielerorts das Abbrennen der Osterfeuer oder leiten diese ein; auch altertümliche Gemeinschaftsspiele vor oder nach der Entfachung, je nach Ort dies verschieden, tauchen diesen Brauch in eine feierliche, fast ernste Stimmung. Wer aber beim Sprung über das Feuer hinfällt, soll noch in dem selben Jahr sterben, so die Vorstellung. Je höher aber der Sprung, desto höher wächst der Flachs. Man säte ihn dorthin, wohin der Wind die Flamme blies. Man läuft mit brennenden Strohbündeln, Fackeln oder Holzscheiben über das Feld, um ihm dadurch eine fruchtbare Ernte zu sichern. Leuchtend brennende Holzscheite bedeuten Glück, viele Osterfeuer dem, der sie sieht, ein gutes Jahr. So weit das Feuer strahlt, sind die Häuser vor Feuerschaden und ihre Einwohner vor Krankheiten geschützt.

So viele Osterfeuer jemand erblickt, so viele Jahre lebt er. Mit Bränden des Osterfeuers wird das zuvor ausgelöschte Herdfeuer erneuert. Man bewahrt das aus dem niedergebrannten Osterfeuer mitgenommene Holz sorgsam auf, trägt es im nächsten Jahr zum neuen Feuer hin und wirft es in die Glut, um wieder ein frisches Stück mit nach Hause zu nehmen. Die stete Wiederholung des Brauches schafft eine ununterbrochene Kette von Jahr zu Jahr. Dies verleiht dem Osterfeuer stark andauernde Wirkung. Daß die Kirche schon um die Mitte des 8. Jh. das weltliche Osterfeuer für Teufelswerk erklärte und es durch die kirchliche Feuerweihe ersetzte, deutet zusätzlich auf seine vorchristliche Herkunft hin. Belegt sind da mehrere Beschwerdebriefe von Weihbischöfen im Tessin, auch in Verona, an ihre zuständigen vorgesetzten Erzbischöfe und Kardinäle.

Die Edda aber erkennt in altem Weisheitsspruch: „Feuer ist wert dem Volk und der Sonne Gericht.“ Dies meint wohl auch, der Sonne Gesicht. Darum brennen die Feuer und rollen die Räder, oft zentnerschwer und bis zu 80 Stundenkilometern schnell, zum Fest. Sinnbild ist der lodernde Schein, also Widerschein des goldenen Sonnenrades, das nun wieder am Himmel zu neuem Beginnen aufsteigt .

Und wenn erst die Osterfeuer die Luft erwärmt haben, so geht der Volksglaube, dann ist auch die letzte Winterkälte vertrieben. Zu Ostern laufen die Leute in den alpenländischen Gegenden oft mit „Osterstecken“ umher. Hierzu bindet man um einen stabilen, langen Holzstab verschiedene Weidenkätzchen, Tannen, Buchsbaum, verschiedene Blüten. In der Mitte steckt man eine Brezel mit einem eingebackenen Ei. Farblich sieht das mit den silbergrauen und seidenweichen Kätzchen sehr schön aus. Teelichter werden mancherorts auf ein kleines Brett gestellt, und als Schiffchen läßt man sie davontreiben, in dem plätschernden, vom Eis befreiten Frühlingswasser.
Eine schöne mainfränkische Sitte ist in der Gegend von Aschaffenburg und Obernburg zu Hause. Etwa 14 Tage oder drei Wochen vor Ostern legt man auf einem Teller einen Kranz von Watte und streut Kressesamen darauf. Die Watte muß gut angegossen sein und weiterhin stets feucht gehalten werden. Schon nach wenigen Tagen beginnt die Kresse zu keimen, und nun kann man von Tag zu Tag mit immer neuer Freude das Wachsen boobachten: die Wurzeln senken sich in die Watte ein, der grüne Keim reckt empor zum Licht, und schon nach kurzer Zeit hat sich ein buschiger, grüner Kranz gebildet, ein richtiger Osterkranz. Statt der Watte können auch Sägespäne oder eine dicke Lage Löschpapier die gleiche Wirkung entfalten. Und außer der Kresse eignen sich auch Linsen oder Gerste zur Saat. Dann müssen neben den bunten Eiern unbedingt einige von besonders eigenartig gestreifter braun und gelber Farbe sein, diese Eier werden mit Zwiebelschalen und darüber mit weißen Leinenstreifen fest umwickelt und so gekocht.

In Gandersheim ist zu Ostern das Schneiden der Wünschelruten überliefert, mit der man Störfelder, also entweder krankmachende oder auch segenbringende Strahlungen und Schwingungen, die man ausnutzen oder meiden sollte, finden kann.
Unseren heidnischen Vorfahren galt die Zeit nach Ostern den Frühjahreskuren, der Entschlackung von Stoffwechselrückständen im Körper, somit der inneren Reinigung und Gesundung. Im Gegensatz zum Weihnachtsfest mit dem üppigen Backwerk diente in Vorpommern z.B. die Neun- oder Zwölfkräutersuppe der österlichen Fastenzeit zur Unterstützung der Entgiftung. Sie besteht aus Frühlingskräutern des Gartens und des Feldes. In Westpreußen sind Salate von verschiedenen Blättern und Wurzeln oder grünen Soßen bekannt. Kräuterbestandteile für die blutreinigenden Mahlzeiten dieses Festkreises lieferten Brennessel, Löwenzahl, weiße Vogelmiere, Ackersalat, Schnittlauch, Petersilie, auch mit ganzen Wurzeln, Knoblauch, Zwiebeln, Bärlauch, Lungenkraut, Scharbockskraut, Leberblümchen, Gänseblümchen, Schlüsselblümchen, Huflattich. Zusätzlich enthält er, regional verschieden, Nüsse, Rettich, Früchte und Gemüse der Jahreszeit.

Der Frühjahresputz ist auch ein wichtiger Bestandteil, denn neben der blutreinigenden Fastenzeit zwecks innerer Körperreinigung und Entlastung sollte auch die winterliche, manchmal trübselige Stimmung dadurch vertrieben werden; äußerliche Ansammlung von Schmutz im Haus frühlingsfrisch zu vertreiben, ist ein Zeichen für diese ganzheitlich zu betrachtende Pflege.

Alle heidnischen Bräuche sind im Leben unseres Volkes so tief verwurzelt, daß es dem Christentum unmöglich war, trotz Verboten, diese zu vernichten. So wurden die germanischen Osterbräuche im Sinne des Christentums umgedeutet, ganz nach der Forderung Papst Gregors (von 590-604 im Amt), daß man die „Feste der Heiden allmählich in christliche verwandeln und stark nachahmen muß“. Ostara wurde nun verketzert, an ihre Stelle trat das Auferstehungsfest Jesu. Osterfeuer wurden nun zu Freudenfeuern über das Totenfest Christi erklärt, die Tieropfer des Hasen untersagt. Das Osterei wurde zum Symbol der Auferstehung ernannt, die Schale bedeutete nun in der Kirche die verschlossene Gruft, aus welcher Jesus vielleicht hervorging. Das Osterwasserschöpfen durfte mancherorts nur unter der „Obhut“ eines Kaplans oder Pastors abgehalten werden, artete gar in Prozessionen aus. Aber hinter alldedem steckte heidnischer Brauch und Sinn, die es für uns wiederzuerwecken gilt.

Quellenangaben:
„Nordisches Wörterbuch“ von Carl Peter, Fahrenkrog-Verlag, Leipzig 1935;
„Hoch-Zeit der Menschheit“ von Rudolf John Gorsleben, Faksimile Verlag Bremen, Nachdruck der Ausgabe von Leipzig 1930;
„In der Zeitenwende“, Hans-Jürgen Evert, Evert Verlag, Fischbachau o. Jahresangabe;
„Humor der deutschen Stämme“, Mundartensammlung von Peter Poddel, Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1938;
„Von den zwölf Monaten und des Menschen Wohlergehen“ (Nachdruck des von Christian Egenolffs 1571 in Frankfurt erschienenen“Astronomia Teutsch“) Eggebrecht Presse, Mainz 1953;
„Lebendige Volkskunst Ostpreußen“, BdV Abt. Kultur, Hamburg 1984.