„Artglaube“ heißt, das Göttliche in den Gesetzen der Natur anzuerkennen als eine Macht, als ein nie gänzlich zu ergründendes Geheimnis, das unsere Vernunft bis an ihre Grenzen herausfordert.

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In den Industriestaaten haben die Fortschritte der Medizin in den vergangenen 100 Jahren dazu geführt, dass sich die durchschnittliche Lebensdauer der Menschen fast verdoppelt hat. Gleichzeitig ist eine Tendenz erkennbar geworden, den Tod, der ja ein langes Leben beendet, ganz aus dem Bewusstsein zu verdrängen.

Früher war der Tod meist eine öffentliche Angelegenheit. Der Priester ging mit seinem Diener und dem Sterbeglöckchen durch die Strassen zum Zimmer des Sterbenden. Jedermann hatte Zutritt zum Sterbenden. Heute wird meist im Krankenhaus oder Altersheim gestorben. Die Toten werden von anonymen Institutionen versorgt und beseitigt. Nichts zeigt an, dass etwas passiert ist. Das Verschwinden eines Menschen hinterlässt keine Lücke, der Tod wurde von der Gesellschaft hinausgedrängt. Das ist aber nur die eine Seite.

Die andere Seite zeigt, dass der Sterbende wie nie zuvor mit dem Tod allein gelassen wurde. Aber nicht nur der Sterbende, sondern auch Junge und Alte, die keinerlei Erfahrung mit dem Sterben gewinnen konnten, stehen der Tatsache des Sterbens hilflos gegenüber.

Auch wenn der Tod in der Öffentlichkeit nicht angesprochen wird, so hat er doch seine verheerenden Auswirkungen auf die Menschen nicht verloren. Es gibt kaum etwas, das uns mehr beunruhigt, als der Tod. Vielleicht sind die Menschen deswegen so beunruhigt, weil sie keine Vorstellungen haben über das, was nach dem Tode kommt. Für viele haben die alten, meist christlichen Gedanken über das „Jenseits“, an Kraft verloren und sie sind deswegen unsicher. Furcht vor dem Tod haben alle.

In den letzten Jahren haben sich die Bindungen vieler Menschen an die Kirchen fast völlig gelöst, der Glaube an ein Leben nach dem Tode ist aber geblieben. Er hat sogar eher zugenommen, besonders bei bewusst heidnisch lebenden Menschen. Man kann sogar. zwei Gruppen von Menschen unterscheiden. Die einen denken oft an den Tod, sind pessimistischer, zaghafter und negativer eingestellt, die anderen verdrängen den Gedanken an den Tod, leben nur dem Jetzt, zeigen ein Gefühl von Optimismus und Entspanntheit. Bereits hier machen sich rassische Unterschiede bemerkbar.

Der amerikanische Psychologe Robert Jay Lifton hat in seinem Buch „Der Verlust des Todes“, Hanser-Verlag München, 1986, einen Zusammenhang zwischen Vitalität und Todesbewusstsein herausgearbeitet. Das Verhältnis des Menschen zum Tod ist gekennzeichnet durch seine Fähigkeit zur Bildung von Symbolen. Die Fähigkeit zur Imagination, die Kreativität in der Herausbildung von Vorstellungen, sind beim Menschen nicht nur für die Entwicklung von Kultur und Ästhetik wichtig, sondern sie haben ihn auch vitalisiert. Wenn die kulturellen Vorstellungen und Symbole ihre, den Tod überwindende Kraft verlieren, dann erfährt der Mensch ein Gefühl, dass der Tod mit Trennung, Auflösung und Stillstand verbunden ist. Wir kennen das aus der Psychiatrie: Depressionen, Neurosen, Angst und Schuldgefühle lassen immer wieder darauf schliessen, dass der betroffene Mensch wenig oder keine vitalisierenden Unsterblichkeitsvorstellungen hat. Er ahmt den Tod bereits im Leben nach. Das ist bei psychisch Kranken so, aber auch in der „normalen“ Gesellschaft sind diese Zeichen zu finden.

Manchmal brechen über uns Katastrophenmeldungen und Untergangsstimmungen herein wie Meereswogen, und auch die jahrzehntelang andauernde Langeweile ist auf Lebensangst, Vitalitätsverlust und Todesangst zurückzuführen.

Was kann man dagegen tun? Neue Vorstellungen vom Leben und dem, was danach kommt oder nicht kommt, kann man den Menschen nicht verordnen. Aber man kann das Thema „Tod“ aus dem sozialen Tabu herausholen und darüber reden. Man hat schon Versuche gemacht, und die Diskussion in den Niederlanden und auch in der Bundesrepublik über das Thema „Sterbehilfe“ sind ein Anfang dazu. Ich meine, wir müssen wieder Vorstellungen über den Tod und alles, was damit zusammenhängt, entwickeln. In einen stumpfen Fatalismus zu verfallen, halte ich für falsch.

Hier in der Bundesrepublik kann man ein erhebliches Interesse an diesen Dingen sehen, vor allem bei jüngeren Menschen. Nach einer Meinungsumfrage glaubt jeder fünfte Europäer an eine Wiedergeburt, 41 % der Deutschen erwarten „ein Leben nach dem Tode“, für 45 % ist mit dem Tod alles aus, 14 % sagen, man weiss nichts sicheres darüber. Es treten zwar hierzulande immer mehr Menschen aus der Kirche aus, aber nicht weil sie den Glauben an ein Leben nach dem Tode verloren hätten.

Die Erkenntnisse eines Darwin haben sich noch nicht überall herumgesprochen. Das Leben hat sich aus sehr einfachen Organismen entwickelt, die alle gestorben sind und für uns völlig verschwunden sind. Bisher konnte noch niemand erklären, warum wir Menschen, als das vorläufige Ende der Entwicklung, nun im Gegensatz zu unseren Vorgängern, ein ewiges Leben besitzen sollen? Wir wissen aber auch, dass im Universum nichts jemals verlorengeht, Energien verwandeln sich in Materie und umgekehrt. Niemand weiss, ob unsere Gedanken, Wünsche, Gefühle, die ja eine Art Energie darstellen, nicht doch in irgendeiner Form weiter existieren und damit unsterblich sind.

Viele Menschen hier in Deutschland glauben nicht an einen christlichen Gott. Sie glauben aber an eine Seele und sie glauben, dass diese beim Tode den Körper verlässt und weiterexistiert. Sie glauben an ein „Sein“ ohne Schmerzen, ohne Bedürfnisse, auch ohne das, was wir hier in unserem Leben „GIück“ nennen. Sie glauben, eines Tages würde ihre Seele in einem neuen Körper wiedergeboren werden. An einen christlichen Himmel als Lohn für ein tugendhaftes Leben glauben nur noch sehr wenige. Es findet derzeit der Versuch einer Neuorientierung statt, denn die christlichen Ideale sind kein lohnenswertes Ziel mehr. Der christliche Himmel wird wohl als „schön“, aber enorm langweilig empfunden. Viele sagen auch: „Wenn der oder jener auch in den christlichen Himmel kommt, dann möchte ich lieber nicht dort sein“. Und die christlichen „Heiligen“ sehen tatsächlich sehr blutleer und blass aus und schrecken manche ab, weil sie gar so unnatürlich sind, einmal abgesehen davon, dass eine grosse Zahl regelrechter Verbrecher unter ihnen sich befindet. Und die Vorstellung, dass der „Himmel“ der Lohn sein soll und die Hölle die Strafe für unser Leben, ein Himmel also nur angestrebt werden muss, weil die Alternative die „ewige Verdammnis“ ist – das fordert den Widerstand des nordischen Geistes heraus. Wir wollen uns frei entscheiden können ohne den Druck eines Jehovas von oben. Ein Gott, mit einer solchen Erpressung – entweder Du liebst mich oder ich quäle Dich – einen solchen Gott verachten wir und seine Propagandisten bekämpfen wir.

Viele Menschen in Deutschland denken so. Sie wollen nicht von irgendeinem Gottessohn „erlöst“ werden – wovon eigentlich ? – sie wollen sich selbst erlösen, falls das nötig sein sollte. So ist in der Vorstellung vieler Menschen anstelle von Himmel und Hölle ein Jenseits getreten, das wertneutral ist und weder Glück noch Leid zufügt. Und nun kann man eine sehr interessante Beobachtung machen: Die Vorstellungen von diesem Jenseits scheinen sich mit den Erfahrungen zu decken, die Menschen gemacht haben, die bereits einmal „klinisch tot“ waren. Hierüber wird manchmal gelacht und deshalb sagt der irische Schriftsteller Clive Staples Lewis auch: „Man soll sich die Sehnsucht nach dem Himmel nicht durch Witzbolde vergällen lassen, die keine Lust haben, in alle Ewigkeit Harfe zu spielen …“

In ihrem Buch „Questions und Answers on Death and Dying“ schreibt meine Berufskollegin, die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, eine Schweizerin, den Satz: „Sterbende wissen mehr als verstandesmässig erklärt werden kann“. Sie hat in ihrem Buch die Eindrücke von Menschen gesammelt, die bereits tot waren und durch die Kunst der Ärzte wieder ins Leben zurückgeholt wurden. Auch der US-Forscher Dr. Raymond A. Moody hat zwei Bücher über das Thema veröffentlicht. Es gibt einige verblüffende Übereinstimmungen: Immer wieder schwebt die freie, vom Körper befreite Seele dem hellen Licht entgegen, durch einen „Kanal“ oder eine „Röhre“. Immer ist das Jenseits erfüllt von Musik. Immer sträuben sich die Toten, wieder in den irdischen Leib zurückzukehren. Der Leib wird wie ein Käfig empfunden, zum ersten Male wird das Gefühl der Weite und der Freiheit erlebt. Kein einziger, der ein solches Sterbeerlebnis hatte, fürchtete sich nunmehr vor dem Tode. Alle schildern das Jenseits als friedlich, als „himmlisch“, angenehm. Alle haben grosse Schwierigkeiten, das Erfahrene in Worte zu fassen. Das Licht, dass sie gesehen haben wollen, schildern sie als lebendig, warm oder „hilfreich“. Es ist so, als ob man einem Blinden erklären möchte, wie ein Bild von Gainsborough aussieht.

Michael Sabom, Assistenzprofessor an der Emory University of Atlanta/Georgia und Leiter für Kardiologie am Veterans Administration Hospital derselben Stadt, hat andere, bemerkenswerte Beobachtungen gemacht. Er hat 116 NDEs (near death experiences) gesammelt und ausgewertet. 40 % der Patienten konnten sich an Erlebnisse während der Zeit ihres klinischen Todes erinnern, ein Drittel hatte „autoskope Erfahrungen“ gemacht. Sie sahen sich selbst auf dem Operationstisch liegen und hatten das Gefühl, unter der Decke des Raumes zu schweben. Sie konnten bestimmte Handlungen der Operateure beschreiben, aber auch Zahlen nennen, die ein Monitor gezeigt hatte. Dialoge wurden richtig zitiert, ein Vietnam-Veteran berichtete, er habe sich mit seinen gefallenen Kameraden unterhalten können. Fast vollständig war die Übereinstimmung, wenn es darum ging, die Gefühle während der „Reise“ zu beschreiben: Zeitlosigkeit, extreme Ruhe, völlig reale Wahrnehmungen, Schmerzlosigkeit. Die Beobachtungen seien unabhängig vom Bildungsgrad, von Religiosität oder Geschlecht abgegeben worden.

Dr. Sabom ist mit der Erklärung der Phänomene sehr vorsichtig. Narkotika, die halluzinogene Wirkungen haben, waren nicht bei allen Patienten gegeben worden, ebenso nicht Opiate. Sabom glaubt an eine „Trennung von Körper und ‚Geist'“. Er beruft sich auf den Neurochirurgen Walter Penfield und dessen Buch „The Mystery of Mind“ (Princeton N.Y., Princeton University Press 1975). Penfield meinte, nachdem er ein Leben lang versucht hat, herauszufinden, wie das Gehirn den Geist steuert, die dualistische These einer Trennung von Geist und Gehirn sei die wahrscheinlichere .These. Der Geist eines Menschen werde, so meint Penfield, mit Hilfe der Mechanismen des Gehirns aktiviert und inaktiviert. Der Geist aber habe eigene Energie, die sich von den Energien, die an den Hirnzellen messbar sind, unterscheidet.

„Das ist alles, was ich weiss“, sagt Penfield.

Auch Sherrington hatte ähnliche Vorstellungen und Eccles und Popper schreiben Ähnliches in ihrem Buch „Das Ich und sein Gehirn“, Piper-Verlag München, 1982. Die Amerikaner haben eine wissenschaftlich arbeitende Kommission gegründet, die sich mit der Erforschung der „autoskopen Wahrnehmungen“ und der NDEs befasst. (The international Association for Near Death Studies, U-20, University of Connecticut, Storrs, Connecticut 06268, USA.) Ob jene Trennung des „Geistes vom Körper“ auch jenseits der Todesschwelle erhalten bleibt, ob sich die angenehmen Versionen und Gefühle dann fortsetzen, wird wohl Glaubenssache bleiben.

Nichts bereitet der heutigen Medizin so viele Schwierigkeiten, wie dieDefinition des Todes. Allgemein hat man sich darauf geeinigt, vom endgültigen Tod nur zu sprechen, wenn keine Gehirnströme mehr messbar sind. Doch es gibt auch Hinweise dafür, dass dann immer noch“Leben“ in einem Körper sein kann. Sterben ist offenbar nicht ein schlagartiges Geschehen wie das Stehenbleiben einer Uhr, sondern ein langsamer Prozess. Offensichtlich stirbt der Körper nach dem Stillstand des Herzens schrittweise ab, nach und nach. Wann der letzte Funke Leben erloschen ist – wer weiss das? Das Sterben ist sicher ein geheimnisvoller Vorgang. Unsere Vorfahren wussten das oder fühlten das. Sie versammelten sich um den Sterbenden, harrten an seiner Seite aus, hielten Nachtwache und versuchten ein letztes, vertrauliches Gespräch mit dem“Heimkehrenden“. Sie baten um Verzeihung für Fehler, zogen Bilanz des gemeinsamen Lebens und verabschiedeten sich von dem Toten. Sie bahrten ihn im schönsten Zimmer des Hauses auf und bestatteten ihn dann.

Heute wird der im Krankenhaus Verstorbene sofort abgeholt, in das Kühlfach der Leichenhalle gelegt, das Sterben ist kein Teil unseres Lebens mehr.

Die beiden Forscher Karlis Osis aus Riga in Lettland und der Isländer Dr. Erlundur Haraldsson, beide Philosophen, Psychologen und Parapsychologen – sie haben beide an deutschen Universitäten studiert – versuchten, die Momente der Euphorie im Augenblick des Sterbens wissenschaftlich zu untersuchen. Sie wollten sehen, ob es Hinweise auf ein Jenseits gebe, oder ob diese Phänomene irgendwie anders erklärbar seien. Sie untersuchten die letzten Augenblicke von 35 000 Sterbenden. In 700 Fällen gab es eine geistige Aufhellung unmittelbar vor dem Tode, die nicht erklärt werden konnte. Schmerz und Angst waren verschwunden, die Sterbenden waren entspannt, ja beinahe glücklich. Dr. Osis und Dr. Haraldsson überprüften, ob der Sterbende etwa Medikamente bekommen hatte, ob er sich vielleicht in einer schwierigen psychischen Situation befand, ob er Christ war, ob er mit dem Tod gerechnet hatte. Und so weiter. Am Ende ihrer Untersuchung kamen sie zu der Auffassung: Die Erlebnisse an der Schwelle des Todes sind wohl keine Beweise für ein Weiterleben, aber sie sind ernst zu nehmende Indizien. Sie meinten, der „Tod ist ein neuer Anfang“ – und so heißt auch das Buch, das beide veröffentlichten.

Inzwischen wissen wir Ärzte, dass das Gehirn in Extremsituationen – und der bevorstehende Tod ist ja doch eine solche – in der Lage ist, selbst Drogen herzustellen, die z.B. Schmerzen blockieren und ein Gefühl des Glücks herstellen. Vielleicht kommt unmittelbar vor dem Tod eine solche Ausschüttung dieser Substanzen zustande. Das würde vieles erklären, aber noch nicht alles.

Im Jahre 1966 erschoss sich Jim Pike in Kalifornien im LSD-Rausch. Er war der Sohn eines Bischofs einer protestantischen Kirche. Der Bischof, James Pike, wandte sich nach einiger Zeit an ein Medium, um mit seinem Sohn Kontakt aufzunehmen. Angeblich gelang diese Verbindung. Jim soll seinem Vater viele Einzelheiten über das Jenseits erzählt haben. Zunächst die große Überraschung für den Vater: „Sei bitte nicht verletzt, wenn ich dir sage, dass Jesus Christus hier für uns nicht der „Erlöser“ ist. Er gilt hier als Seher oder Mystiker“ . Und Gott?

„Gott ist keine Person. Er ist eine Kraft. Nicht wir sind die Toten, Ihr seid es. Wir lernen und wachsen in immer höhere Harmonien …“

Der Bischof veröffentlichte seine Schilderungen gewinnbringend in einem Bestseller. Ganz ernst genommen wurde dieses Buch nie. Aber es enthält wohl unbeabsichtigt einige Merkmale unseres Wunschdenkens:

„Es gibt keine Strafe mehr, auch nicht nach schlimmster Schuld. Wir können uns selbst erlösen durch das Streben nach immer höherer Vollkommenheit“.

Das sind die beiden Hauptaussagen all der vielen fernöstlichen „Heilsreligionen“, mit denen hierzulande vor allem junge Menschen angelockt werden: Du brauchst überhaupt keine Angst mehr zu haben. Es kann nichts schiefgehen. Früher oder später hat es jeder geschafft. Du kannst dich in diesem Leben schon befreien von allen irdischen Fesseln und Bedrängnissen, indem du meditierst und damit deine Seele vom Körper loslöst. Solche Gedanken üben eine beträchtliche Faszination aus und viele junge Leute glauben daran. Leider entsprechen diese Aussagen aber nicht den Realitäten.

Die Amerikaner sind praktische Leute. Robert A. Monroe, ein Geschäftsmann aus Afton/Virginia, Begründer eines Instituts für „ergänzende Wissenschaften“ konstruierte eine „Seelenbefreiungsmaschine“ – so nennt er das Gerät selbst. Mit bestimmten Tonbändern, Tönen, Geräuschen und Rhythmen will er bei seinen Patienten Meditationen auslösen. Angeblich soll sich das Bewusstsein vom Körper lösen und zur Decke schweben. Monroe gibt Kurse, die seinen Patienten helfen sollen, die Angst vor dem Sterben zu überwinden. Frau Dr.Kübler-Ross, die Sterbeforscherin, will mit Hilfe von Monroes Gerät schon Weltraumflüge unternommen haben. In Monroes Buch „Reisen zum Körper hinaus“ sagt sie: „In dem Augenblick, in dem ich spürte, dass ich mit Lichtgeschwindigkeit in die Höhe schoss, schnellte ich hinaus, zog eine Spitzkehre, umrundete einen grossen Hügel und schoss davon. Ich wusste, ich werde irgendwo hingehen können, wo kein Lebender bisher gewesen ist. Ich fühlte mich einfach super“. Sie soll sogar Wesen im Jenseits getroffen haben, eines davon habe ihr angeblich einen Brief mitgegeben. Der Brief mit Datum soll existieren.

Vielleicht wollen Sie wissen, was ich davon halte: Nichts.

Wer könnte beweisen, dass sich die Seelen tatsächlich ausserhalb des Körpers auf Weltraumflug befanden – und dass nicht alles eine Halluzination war? Niemand. Was berichten uns denn jene, die solche Weltraumflüge mitgemacht haben wollen? Nichts Neues. Denn alles, was sie berichten, verbleibt innerhalb der uns schon weitgehend bekannten drei Dimensionen, andere Dimensionen als die drei können wir überhaupt nicht begreifen. Die „Weltraumfahrer“ könnten uns vierdimensionale Erlebnisse überhaupt nicht schildern und wir könnten sie nicht mit „Vorstellungen“ ausfüllen.

C.G. Jung hatte 1944 einen Herzinfarkt. Dabei erlebte er ebenfalls einen solchen Weltraumflug, den er genau beschrieb. Er glaubte, ungefähr 1500 km hoch über der Erde im Weltraum zu schweben. „Es war, als ob ich alles, was ich je erlebt oder getan hätte, alles, was um mich geschehen war, nun bei mir hätte. Ich konnte sagen: Es war bei mir – und das war ich“. Ein neues Leben – gewissermassen die Summe aller Begegnungen, aller Entscheidungen, aller Niederlagen und Siege als neue Existenz, ein solches Jenseits konnte C.G.Jung sich gut vorstellen.

Die Christen glauben ja bekanntlich an ein Auferstehen der Toten und an ein ewiges Leben. Sie sagen dabei nicht, ob der einzelne verstorbene Mensch im Jenseits als Kind sein wird oder als junger Mensch in den besten Jahren oder als reifer Mensch oder als Greis. In der christlichen Bibel sind dazu keine Aussagen zu finden.

An ein Fortleben eines Menschen in den Gedanken der anderen, am Leben Bleibenden, glauben manche Heiden hier bei uns und offenbar auch anderswo. Georg Bernard Shaw sagt:

„Der Tag wird kommen, an dem es keinen Menschen, nur noch Gedanken geben wird. Das wird das ewige Leben sein“.

Den Christen passt das überhaupt nicht, es ist ihnen zu wenig. Das Leben nach dem Tode muss für sie mehr, viel mehr sein als die irdische Existenz, die für sie ja ein Leben in einem Jammertal ist. An jene überhaupt nicht beweisbare Existenz nach dem Tode klammern sie sich und vergessen dabei, wie schön es doch auf dieser Erde sein kann, wenn wir nur einige einfache Regeln beachten.

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Vielleicht interessiert unsere, heidnische Auffassung von Sterben, Tod und Weiterleben:

Wir meinen, dass ohne den Tod des einzelnen Menschen, und das gilt für alle anderen Wesen auch, die verschiedenen Arten nicht lebens- und entwicklungsfähig sind. Eine Entwicklung der Arten im Sinne eines Darwin ist nur möglich, wenn die nicht an die Umwelt angepassten Wesen verschwinden – dauerhaft verschwinden. Und das ist nur durch den Tod des Einzelwesens möglich.

Für uns ist der Tod weder eine Strafe für einen „Sündenfall“, noch ist er eine „Erlösung“ aus einem irdischen Jammertal, noch ist er Übergang zu einem besseren oder schlechteren jenseitigen Leben. Er ist für uns einfach ein Naturgesetz, das Erlöschen des Einzellebens. Leib und Seele bilden für uns eine Einheit und deshalb schätzen wir beide gleichwertig ein. Unsere Vorstellung von Unsterblichkeit ist anders. Wir wissen es und können es beweisen, dass wir mit all unseren Eigenschaften, unseren Merkmalen und unseren Wesenszügen in unseren Nachkommen weiterleben. Das, was wir sind, haben wir von unseren Ahnen erhalten. Wir wollen es an möglichst viele Nachkommen weitergeben. So wie die Ahnen in uns fortleben, so leben wir in unseren Kindern fort. Deshalb können wir dem Tod, der unsere Person betreffen wird, in Ruhe und Gelassenheit entgegengehen, weil wir dafür gesorgt haben, dass unsere Kinder und mit ihnen unsere Rasse, weiterleben wird, und wir in ihnen.

Wir wissen, dass wir diese Gedanken nicht jedem x-beliebigen Menschen „predigen“ sollen. Wir wollen diese Gedanken nur in den Herzen der Menschen wecken, die ihn bereits von ihren Vorvätern erhalten haben, und denen das aber noch nicht bewusst geworden ist. Wir wenden uns nur an die Menschen, die aus demselben „Holz“ sind wie wir, die der gleichen Rasse angehören. Deshalb sagen wir auch unseren Kindern:“Sucht euch Ehepartner, die genauso aussehen wie ihr selbst“. Denn nur dann wird der nordische Mensch weiterbestehen, dann nur wird der Satz aus der Edda gelten:

„Der Sonne Gesicht und heiler Leib, wer ihn behalten darf, dass kein Tadel ihn trifft“ (Havamal 63).
Wir Menschen nordischer Art erkennen den Tod als unser Schicksal an. Wir wissen, dass wir früher wie auch heute immer Kämpfer bleiben müssen. Vorstellungen von „Erlösungen“, Jenseitswelten und Wiedergeburten haben sich immer erst in indogermanischen Verfallszeiten und von nichtnordischen Unterschichten aus verbreitet. Die nordische Vorstellungwelt hat immer das „Schicksal“ noch über unsere Götter gestellt, siehe die Nornen. Unsere Ahnen haben immer ein Schicksalsbewusstsein empfunden. In der Macht des Schicksals erkennen wir die Wirkung von Kräften, zu denen auch unser eigener Wille gehört. Aber wir unterwerfen uns nicht so schnell unter ein Schicksal. Wir versuchen stets den Kampf gegen ein ungünstiges Schicksal, das uns Versklavung oder Unterwerfung bringen will. Der Nordmensch wird aber auch im Angesicht des Schicksals „reif“. Shakespeare drückt das so aus: „Bereit sein ist alles – reif sein ist alles“. Unsere Menschenart reift erst durch ihr Leben in der Spannung des Schicksals. Der Held in den isländischen Sagas begreift in seinem höchsten Augenblick das ihm begegnende Schicksal „hochgemut“, er bleibt aufrecht und bleibt so sich selbst treu.

Die Kirche hat versucht, den nordischen Schicksalsgedanken durch die Einführung einer „Vorsehung“ zu verdrängen. Es gelang ihr dies nicht, denn wir vermochten nie, eine Vorsehung, die ein Übermass von grimmigen Schicksalsschlägen blindlings austeilt, zugleich als die Liebe und Barmherzigkeit eines jüdischen Gottes anzusehen. Uns ist es, ebenso wie unseren Ahnen, nicht möglich, eine Religion auszuüben, die im Menschen einen Sklaven sieht, der einem Gewalttäter namens Jehova gehört. Dieses Herr-Sklave-Verhältnis ist geradezu kennzeichnend für den Orientalismus. Aus dieser Knechtshaltung heraus wurde die christliche „Demut“ entwickelt.

Wir lehnen all diese Widernatürlichkeiten ab. Als ganze Menschen mit unversehrter Ehre wollen wir vor unseren Göttern stehen. Unsere Frömmigkeit ist eine Diesseits-Frömmigkeit, und unser Leben vollenden wir nicht durch die „Gnade einer Erlösung“, sondern durch die Bewährung vor dem Schicksal. Shakespeare hat dies im Hamlet so ausgedrückt: “ Dies über alles – sei dir selbst treu !“ Dieses Sittengebot, sich selber treu zu sein, ergibt wiederum, dass diese Auffassung eine höher geartete sein muss – dem Niederträchtigen wird man nicht raten, sich selber treu zu sein.

Gerade von den Besten fordern die Götter die Bewährung im Schicksal. Das ist wohl etwas anderes, als ein Leben mit dem Streben nach“ewiger Glückseligkeit“ und der Furcht vor ewiger Verdammnis. Daher gewährt der „Glaube unserer Art“ vielleicht kein bequemes Leben, dafür aber eines in Würde.

„Artglaube“ heißt, das Göttliche in den Gesetzen der Natur anzuerkennen als eine Macht, als ein nie gänzlich zu ergründendes Geheimnis, das unsere Vernunft bis an ihre Grenzen herausfordert.